27. August … schön, dass ihr wieder da seid!

Jeder hat es wahrscheinlich schon mal erlebt, dass sich plötzlich ein Mensch aus seinem Leben entfernt. Manchmal, weil wir ihm Unrecht getan haben, manchmal, weil wir durch ihn Unrecht erfahren haben. Fakt ist, der Mensch ist fort. Für wie lange weiß man erst mal nicht.

Meine Schwester hat über ein Jahr gebraucht, um wieder mit mir zu reden. Sie hatte Gründe, gute Gründe, warum sie aus meinem Leben verschwunden war. Weil ich einfach nur ehrlich war und Fehler eingestanden hab, die fast zwanzig Jahre zurück liegen. Nichts, was mir auf der Seele brannte oder weh tat. All die Jahre hatte ich nicht ein einziges mal daran gedacht; ich hatte es vergessen, so wie all die anderen Dinge aus der damaligen Zeit auch. Und plötzlich erinnerte ich mich wieder. Als jemand eine längst vergessene Tür in meinem Kopf aufmachte und ich den Weg zu mir selbst antrat, da erinnerte ich mich auch daran, was ich getan hatte. Ich vertraute es jemandem an, einfach so und ohne groß darüber nachzudenken. Und als ich erfuhr, dass das Gesagte meine Schwester erreicht hatte, die es betraf, da wurde ich nicht mal wütend oder ängstlich. Es war gut, mehr noch; es würde jetzt alles gut werden und sich zusammen fügen, so wie es zusammen gehört. Tiefer Friede nahm mich in Empfang und nur die Tatsache, dass meine Schwester kein einziges Wort mehr mit mir sprach und ich nicht wusste, ob sie es jemals wieder tun würde, konnte meinen ansonsten lichtdurchfluteten Horizont ein wenig verdunkeln. Konnte, den das passierte nicht. Ich war dabei, mein inneres Kind zu heilen, mein Leben in Ordnung zu bringen, meine Vergangenheit soweit zu sortieren, dass auch die dunkelste Ecke einen Sinn ergab. Für mich gehörte es auf meinen neuen Weg, diese alten Geschichten aus der Welt zu schaffen, auch wenn das bedeutete, dass sie dann erst in einer anderen Welt auftauchten – in diesem Fall in der Welt meiner Schwester. Ich wurde damals auch gefragt, warum ich nicht einfach weiter geschwiegen habe. Ja warum habe ich das nicht? Hätte ich ja durchaus können, nachdem ich es fast zwanzig Jahre geschafft hatte. Aber ich tat es nicht weiter und kann heute nicht mal sagen, warum. Das ist einfach der Weg, den ich heute geh. Ich bring die Dinge in Ordnung, stell alles an seinen Platz und bleib dabei nicht nur im Vertrauen, sondern auch ganz besonders in der Wahrheit. Und auch wenn das manchmal dazu führt, dass sich Wege trennen, weil die Wahrheit nicht immer für jeden das Beste ist, werde ich diesen Weg weiter gehen. Und bin trotz allem heute zutiefst dankbar, dass meine Schwester den Weg zurück zu mir gefunden hat.

Gestern haben wir uns mit Freunden getroffen, ganz spontan. Eine kleine Familie, Vater, Mutter, Kind. Vor vielen Jahren haben wir mal im selben Haus gewohnt und dann, nachdem meine Kinder und ich weggezogen waren, haben wir den Kontakt weiter gehalten. Bis zu dem Tag, an dem sie Dinge ausgeplaudert hat, die ich ihr anvertraut hatte und mehrmals betonte, sie für sich zu behalten. Ihre Plauderei brachte mich in Teufelsküche und ich brach den Kontakt ab. Über ein Jahr ist das jetzt her und als die Wut verflogen war, dachte ich wieder oft an sie. Letztendlich war sie eine Seele von Mensch, die es viel zu oft viel zu gut meinte, aber manchmal einfach nicht ihren Mund halten konnte. Und doch vermisste ich manchmal unsere Plauderei, unsere kleine Kaffeezeit, unsere Vertrautheit, die uns eigentlich immer umgeben hatte. Nun hat sie die Tage scheinbar meinen Blog entdeckt und mich daraufhin angeschrieben. Ob wir uns mal wieder sehen können, nach all der Zeit. Und das taten wir gestern und es war, als wär kein Tag vergangen, an dem wir nicht geplaudert haben.

Wenn ich anfangs auch nicht sicher wusste – und es bis heute eigentlich nicht genau weiß – warum ich diesen Blog hier angefangen habe; eines hat er inzwischen geschafft – er hat uns versöhnt, eine liebe Freundin und mich. Und das ist mehr, als ich von dem hier erwartet habe. Und ich lerne, dass es tatsächlich gut ist, wie es ist. Es reicht völlig, einfach zu sein. Die Dinge fügen sich. Auch wenn sie manchmal Zeit brauchen, sich langsam fügen, sie Wege gehen, die wir anfangs nicht mal nachvollziehen können; es fügt sich und dann ist es gut. Und wenn nicht, dann ist es einfach noch nicht ganz fertig und man muss sich noch ein wenig gedulden…

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