26. August … mein Hab und Gut…

Zufällig hab ich grad ein Video gesehen mit folgendem Dialog:

Eines Tages starb ein Mann und sah in seinem Tode Gott mit einem Koffer auf sich zukommen. Gott sagte: „Es ist Zeit zu gehen.“ Der Mann fragte überrascht: „Jetzt schon? Ich hatte noch so viel vor!“ Gott antwortete: „Es tut mir leid, aber für dich ist die Zeit gekommen, zu gehen.“ Der Mann fragte: „Was ist in dem Koffer?“ Und Gott antwortete: „Dinge, die dir gehören.“ Der Mann wollte wissen: „Mein Hab und Gut? Mein Geld?“ Darauf antwortete Gott: „Diese Dinge haben nie dir gehört, sie gehörten der Welt.“ Da rief der Mann: „Dann sind es vielleicht meine Erinnerungen?“ Doch Gott widersprach: „Diese sind nicht deine, sie gehörten der Zeit.“ Der Mann wurde leicht trotzig: „Also sind es meine Freunde?“ Doch Gott meinte: „Sie haben dir nie gehört, sondern deinem Weg.“ Da rief der Mann: „Sind es meine Frau und meine Kinder?“ Gott schüttelte den Kopf: „Sie gehörten nie dir, sondern nur deinem Herzen.“ Der Mann wurde langsam ratlos: „Ist es mein Körper?“ Gott sagte nur: „Der hat dir nie gehört, der ist aus Staub.“ Der Mann gab nicht auf: „Dann ist es meine Seele.“ Gott lächelte: „Deine Seele gehört schon immer mir.“ Da wurde der Mann sehr wütend, riss den Koffer auf und sah, dass dieser leer war. Mit Tränen in den Augen stellte er fest: „Also habe ich nie etwas besessen?“ Und Gott gab zurück: „Doch, jeder Moment, den du gelebt hast, gehörte dir! Deine ganze Existenz war eine Abfolge von Momenten, die alle dir gehörten.“

Mir ist leider nicht bekannt, von wem der Text aus dem Video ist. Aber wenn man mal Gott beiseite lässt – es kann ja auch jede andere Existenz über uns sein – dann steckt in dem Video sehr viel Wahrheit. Wir werden alle nackt geboren, wahrhaftig nackt und wenn man das aufs Sterben überträgt, dann gehen wir nackt. Nackt im Sinne von „ohne Gepäck“. Man sagt nicht umsonst „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ Man kann noch so viel Geld oder materiellen Besitz zu Lebzeiten anhäufen; nichts davon nehmen wir mit. Wir können die Menschen, die wir lieben, nicht mitnehmen. Nicht einmal ein Bild von ihnen.

Meine Kinder zanken sich ja schon manchmal um etwas und jeder schreit dann „Das ist meins!“ Wenn das nicht mehr aufhört, geh ich dazwischen, nehm ihnen weg, worum sie streiten und lass sie die Augen schließen. Ich frag sie dann, was sie sehen und mein Kleiner kichert dann immer ganz süß und ruft „Nichts!“ Und ich sage ihm dann: „Richtig, nichts. Und das ist es, was dir wirklich gehört; nichts!“ Meine Kinder haben massig Spielzeug und doch ist ihnen gelegentlich langweilig. Oder es kommt vor, dass sie sich plötzlich um etwas streiten, was seit Wochen unbeachtet irgendwo rumliegt. Und ich versuche ihnen dann immer klar zu machen, wie viel sie haben und doch besitzen sie nichts, was sie zufrieden macht. Sie langweilen sich neben Bergen von Spielzeug oder sie wollen genau eines davon haben, weil es der andere auch grade will. Sie haben zuviel und doch entsteht Neid. Für mich immer wieder ein Grund, ihnen klar zu machen, dass ihnen nichts gehört, außer weltlichen Dingen, die sie scheinbar nicht erfüllen. Anfangs hatten wir abends manchmal die Situation, dass ein Kuscheltier fehlte. Oder ein ganz bestimmtes Spielzeug. Und genau das musste es sein, um schlafen zu können. Kein anderes, nur das! Und dann hab ich oft dieses eine Spielzeug gesucht, die Wohnung auf den Kopf gestellt, nur damit das Gebrüll endet. Doch umso mehr ich meinen Kindern klar gemacht habe, dass nichts davon wirklich von Wert ist und das wichtigste ist, dass wir beisammen sind und jeder wohlbehalten in seinem Bett liegt, umso seltener wurde die abendliche Suche. Bis sie ganz aufhörte und mein Kleiner dann oft grinsend sagte: „Egal, Hauptsache du bist da!“

Solche Momente, wenn meine Kinder ganz bezaubernde Dinge sagen, schließ ich ganz fest in mein Herz. Wenn sie am Vatertag sagen „Egal, Mama, dass ich keinen Papa hab. Ich brauch keinen, du spielst auch prima Fußball!“, dann öffne ich die kleine Schatulle in meinem Herzen und leg diese Worte hinein. In ihr sammel ich all die wundervollen Momente, die mein Leben lebenswert gemacht haben und in den letzten Jahren füllte sie sich immer mehr. Ich weiß, auch diese Schatulle werd ich nicht mitnehmen können, aber wenn ich irgendwann von dieser Welt gehen muss, dann wird mein letzter Gedanke sein; danke! Danke, dass ich dieses Leben begreifen durfte und es mit schönen Momenten gefüllt habe! Und versucht habe, meinen Kindern zu lehren, es mir gleich zu tun…

 

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