23. August … ein wenig Kind bleiben…

„Wach und erfinderisch lebt ein Kind. Es hat weder Vergangenheit, Verhaltensmuster noch Werturteile. Es spielt und äußert sich in Freiheit“ Arnaud Desjardins

Da steckt so viel Wahrheit drin. Ein Mensch kann nur ohne seine Vergangenheit frei sein. Und wer jetzt sagt, jeder Mensch hat aber eine Vergangenheit; dann kann ja niemand frei sein – ich persönlich sage, das ist richtig und falsch. Klar hat jeder Mensch – außer einem Kind – eine Vergangenheit. Die Frage ist und bleibt aber – und das entscheidet jeder für sich selbst – wie viel Wert man ihr beimisst. Entscheidend für unsere eigene Freiheit wird immer sein, ob wir zulassen, dass unsere Vergangenheit einen Menschen aus uns formt oder ob wir trotz allem nie die Fähigkeit verlieren, immer selbst zu bestimmen, wer wir sind. Wie oft hört man allein die Aussage „Ich mag meine Vergangenheit, denn sie hat aus mir das gemacht, was ich heute bin“? Warum mag man längst vergangene Zeit, die man nie wieder ändern kann, scheinbar mehr als sich selbst? Warum messe ich meiner Vergangenheit mehr Wert bei als mir selbst? Jeder möchte immer frei sein und doch wollen die meisten das sein, was ihre Vergangenheit aus ihnen machte. Hast du jede einzelne Minute deiner Vergangenheit selbst gewählt? Du hast dich selbst für Krankheit, Verlust, Ämterirrsinn und dergleichen entschieden? Nein, hast du nicht. Das sind die Dinge im Leben, die geschehen, ob du willst oder nicht. Also formen dich auch Dinge, die du nie haben wolltest. Und das akzeptierst du, einfach so? Du magst es, eben weil es dich geformt hat?

An der Stelle muss ich sagen, dass ich mich selbst mag. Ich mag mich so sehr, dass ich nicht zulasse, dass mich Dinge, die ich nie haben wollte, formen. Alles was ich brauche, ist die schlichte Tatsache, zu wissen wer ich bin. Und genau dem, was mich ausmacht, bleibe ich treu. Ich bleibe mir selbst treu, auch wenn das Leben mir Momente und Situationen schenkt, die ich nie haben wollte. Auch die nehm ich an, seh ich mir an, umarme sie. Aber dann lasse ich sie gehen, wie alles andere auch. Ich wollt sie nie haben, warum also soll ich sie – oder auch auch nur eine Erinnerung an sie – behalten? Und genau das ist es, was viele mir anzweifeln und nicht glauben oder verstehen wollen; ich bin ein Mensch wie jeder andere, mit Vergangenheit, mit zum Teil großen Wunden auf meiner Seele und meinem Herzen, mit rabenschwarzen Momenten in meiner Vergangenheit, mit aussichtslosen Stunden, auch mit Höllenschmerz; und doch spanne ich jeden Tag meine Arme weit auf, empfange das Leben und küsse es wach. Unbefangen, vorurteilsfrei, angstlos; nicht weil ich dumm und naiv bin und nichts gelernt habe, sondern WEIL ich gelernt habe, nur dann frei zu sein und es zu bleiben, wenn meine Vergangenheit im Hier und Jetzt keine Rolle mehr spielt. Wie ein Kind, welches keinen Schmerz kennt, keinen Verlust, kein gebrochenes Vertrauen. Wie ein Kind, das einfach nur da raus geht und die Welt erkundet, ohne Angst. Weil es noch nie verletzt wurde, noch nie enttäuscht wurde, noch nie gefallen ist. Und für die, die jetzt wieder schreien; niemand kann von sich behaupten, dass er keine Vergangenheit hat; richtig! Ich habe eine, genau wie du. Ich hab nur gelernt, sie dort zu lassen, wo sie hingehört; in der Vergangenheit. Ich gebe ihr keinen Raum oder Platz in meiner Gegenwart. Aber ich weiß um sie und werde sie nie leugnen können. Ich hab mit ihr getan, was ich mit allem in meinem Leben mache; ich hab sie umarmt, sehr fest umarmt und dann hab ich sie gehen lassen. Alles, was ich von ihr noch habe, sind Erinnerungen, welche in einer Schublade ruhen. Und nur, wenn sie irgendjemand aufmacht und Fragen dazu stellt, erinner ich mich. Das war kein schwerer, langer Weg, an diesen Punkt zu kommen und so frei leben zu können. Es war einzig und allein – wie so vieles – eine einzige Entscheidung!

 

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