22. August … vom Hass und Schmerz…

„Ich vermute, einer der Gründe, weswegen Menschen so hartnäckig an ihrem Hass festhalten, ist, weil sie spüren; ist der Hass erst mal fort, werden sie gezwungen sein, sich mit dem Schmerz zu beschäftigen.“ James Baldwin

Das Wort „Hass“ lässt sich hier glaub ich auch sehr gut mit „Wut“ oder „Unzufriedenheit“ ersetzen. So lange wir uns aufs Außen fokussieren und unsere Gefühle dort loswerden können, müssen wir uns nicht mit unseren eigenen Gefühlen beschäftigen. Wir können ignorieren, wie der Schmerz in uns selbst brodelt und sich bohrend tief in uns rein frisst. Wir schreien, aber nicht, weil es weh tut sondern weil wir uns glauben machen, jemanden zu hassen. Wie wütend er uns macht! Und während wir unzufrieden mit dem Fuß aufstampfen und besagte Person in die Hölle wünschen, betäubt diese Wut unseren Körper. Wir spüren gar nicht, wie wir Stück für Stück von innen her aufgefressen werden. Inzwischen nicht nur vom eigenen Schmerz, um den es eigentlich geht. Sondern viel mehr von der Wut, dem Hass, inzwischen vielleicht auch Neid. Und das nur, weil wir wie ein wildgewordener Kettenhund zähnefletschend vor unserer Wunde stehen und sie eisern verteidigen. Niemand soll sie sehen, bei Gott, wirklich NIEMAND darf da reinfassen!

Irgendwie ist das ähnlich wie Zahnschmerzen; wer mal wirklich welche hatte, weiß, dass man die kaum noch ausblenden kann. Sie machen schlaflos, sind mit Schmerztabletten kaum wegzubekommen. Und nein, man kann sie sich auch nicht wegignorieren. Sie sind da und man tigert die halbe Nacht durch die Wohnung und wartet, dass die Zahnarztpraxis aufmacht. Und von da weg schreckt man auf, wenn es irgendwo in den Zahnreihen kurz zwickt. Wird das wieder Zahnschmerz? Oh nein, bitte nicht! Und genau so geht es uns mit unserem eigenen, inneren Schmerz. Wir haben ihn viel zu lange festgehalten, ihn im Arm gewiegt, mit und um ihn geweint. Und irgendwann wurde er wie ein eigenes Kind. Wie etwas, das wir nie wieder loslassen können. Und doch wurde er uns irgendwann zu schwer – schwerer, als er ursprünglich mal war. Und anstatt uns das einzugestehen, greifen wir außerhalb unserer Schutzmauern an. Diesen angestauten Schmerz wandeln wir in Wut und weil dieses Ventil nicht reicht, machen wir Hass daraus. Und das macht dann unzufriedene, griesgrämige Menschen aus uns. Weil wir einfach nie gelernt haben, wie wir mit dem Schmerz richtig umgehen. Weil wir nicht wussten, dass wir ihn umarmen und wiegen dürfen aber danach unbedingt loslassen müssen. Und sobald es irgendwo zwickt, fürchten wir unseren eigenen Schmerz; der, der brüllend in uns lodert, der höllisch brennt und schmerzt. Den wollen wir nicht wieder spüren! Und dann betäuben wir ihn, indem wir laut und wütend irgendwas oder irgendwen hassen. Alles, nur nicht wieder diesen Schmerz! Denn für den inneren Schmerz macht morgens kein Zahnarzt auf. Den müssen wir selber heilen.

Wenn ich euch einen Rat geben darf; wenn ihr Schmerz bei euch habt – nicht körperlichen, sondern den auf der Seele – dann gebt ihn frei. Ich weiß, wie schwer das erscheint und wie viele grade sagen; Schmerz, auf meiner Seele, ich? Nö!

Jahre meines Lebens habe ich das auch behauptet. Es geht mir gut, alles gut, mir fehlt nichts… Und innerlich bin ich verblutet, hat mich der Schmerz aufgefressen, tat es höllisch weh… Irgendwann hab ich beides nicht mehr ertragen; diese Lüge, alles sei gut und den Schmerz in mir drin. An dem Tag nahm ich mir einen Strick und wollte sterben…

Lasst es bitte nie so weit kommen! Seid ehrlich, vor allem und immer zu euch selbst!

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