17. August … ich bin mein Weg…

Mich hat in einer Community jemand gefragt, welchen Weg ich gehe. Ich beantwortete ihm seine Frage und fragte dann: „Und welchen Weg gehst du?“ Ich erhielt eine erstaunliche Antwort. Er geht einen Weg, den ich vor 17 Jahren nahezu gleich gegangen bin.

Als mein Vater starb, war ich 21 Jahre alt. Und obwohl wir die letzten Jahre bis zu seinem Tod keinen Kontakt mehr hatten, traf mich sein Tod. Vor allem die Erkenntnis, was ich gerade verloren hatte; meine Herkunft, auch wenn ich sie kaum gekannt habe. Für mich war das ausschlaggebend, mich endlich auf den Weg zu mir selbst zu machen; wer bin ich, was bin ich, wo will ich hin? Endlose Fragen entstanden in meinem Kopf und ich war bereit, sie alle zu klären. Stunden verbrachte ich in Kirchen, saß schweigend in den leeren Kirchenbänken und starrte den Gekreuzigten an. Auch er schwieg. Wenn er also nicht mit mir reden wollte, dann eben anders. Ich bestellte mir Bücher über Religionen, Glaube, Werte, Gott. Nichts davon brachte auch nur eine einzige Saite in mir zum Klingen.

Als nächstes kaufte ich den halben Bahnhofskiosk leer. Musikzeitschriften mit CD´s, in die ich reinhorchen konnte, um meinen Musikgeschmack zu finden. Noch immer hörte ich den Techno und House meiner ersten großen Liebe. Auch Modezeitschriften, Kochzeitschriften, Tattoomagazine kaufte ich mir. Was war mein Style, gehörte ich tätowiert, welches Essen mochte ich eigentlich? Mein Gedanke war, wenn ich nur genügend Antworten auf all meine Fragen finden würde, dann wüsste ich schon bald, wer ich bin und wohin ich will; voila – mein Weg!

Die Ernüchterung kam, als mich all mein Suchen und vor allem jedes einzelne Finden keinen einzigen Millimeter voran brachte. Zwar erfand ich mich neu, aber nichts davon erklärte auch nur den Hauch einer Richtung, wo es lang gehen könnte für mich. Als mir das klar wurde, beendete ich mein Fragen – Antwort – Spiel. Noch immer war ich einsam und vor allem nachts quälte mich diese Einsamkeit um den Schlaf. Noch immer war ich ohne Glaube, ohne Ziel, ohne irgendeinen Anhaltspunkt meiner selbst. Jahre sollten noch vergehen, viele Jahre, bis ich den Weg zu mir selbst tatsächlich fand. Er war plötzlich da, lag ruhig und einladend vor mir. Alles, was es dazu gebraucht hatte, war der Herzenswunsch, diesen Weg gehen zu dürfen. Und die tiefe Erkenntnis, dass kein Buch der Welt mir wird erklären können, wer ich bin. Das kann nur ich selbst, jede einzelne Antwort auf all meine Fragen liegt in mir selbst. Ich musste nur den Mut haben, mich zu öffnen und hineinzusehen. Zwar begegnete ich dort zuallererst mal einigen Wunden und Narben; man war nicht immer sanft mit mir umgegangen, sogar ich selbst nicht. Ich begann also, zuerst mal diese Wunden zu versorgen, jede einzelne. Ich verarztete sie nicht nur, sondern gab jeder davon auch einen Namen; den Namen ihres Ursprungs. Warum gab es diese Wunde, was hatte sie verursacht und darf sie nun heilen? Ich hatte zum Schluss keine Wunde in mir, die nicht heilen durfte. Was ich aber hatte, war inzwischen tiefe Liebe zu diesem Wesen, das ich grade verbunden und geheilt hatte; mich selbst!

Ich erlaubte mir, mir selbst jede einzelne Wunde zu verzeihen und jedes einzelne Stück Weg, welches härter war als ich selbst. Seither verlasse ich mich drauf, dass ich ich bin und mein Herz mein Kompass ist. Es kennt den Weg, ich muss ihm nur vertrauen. Letztendlich musste ich mich nur an die einfachsten Dinge erinnern; Sein und Urvertrauen. Mit diesen beiden Dingen hab ich meinen Weg angefangen; nicht lernen, forschen, lesen, bilden was ich bin, sondern SEIN was ich bin. Und das gelang mir einfach damit, mir selbst zu vertrauen; wer, wenn nicht ich, weiß schon, wer ich bin?

 

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