14. August … bei den Göttern!

Gestern Abend gab es endlich mal ein richtiges Gewitter bei uns. Erst kamen Sturmböen, dann fing es an zu blitzen und donnern, dazu sehr starker Regen. Als Kind hatte ich extrem Angst vor Gewittern, heute liebe ich sie. Es ist für mich was tolles gewesen, mir das Schauspiel von drinnen aus anzusehen. Ich mag Naturgewalten, auch wenn sie oft zerstören; der Mensch zerstört auch und das wahrscheinlich wesentlich öfter als die Natur. Auch finde ich die Vorstellung interessant, dass man früher an die Götter glaubte, die den Wind, den Regen, den Donner machten. Heute sehen wir es als reines Verderben und Katastrophe.

Die Katastrophe dürfte eher die Dürre gewesen sein. Überall hört man von Landwirten, dass der Ertrag der Felder eine Katastrophe sei. Wie soll da auch was wachsen, ganz ohne Regen, wochenlang. Und jetzt? Fegte der Wind einmal alles platt und dann prasselten Unmengen Regen darauf. Klingt auch nicht nach optimal, wenn ihr mich fragt. Wann haben wir eigentlich verlernt, eine Kerze anzuzünden, um gute Ernte zu bitten, für Regen zu beten? Wahrscheinlich, als wir angefangen haben, im Überfluss zu leben. Immer wieder macht es mich nahezu fassungslos, wenn ich höre, dass Kinder die einfache Frage nicht beantworten können; wo kommt die Milch her? Oft erhält man darauf die Antwort – aus dem Supermarkt. Ja klar, dafür würde ich auch nicht die Hände falten und danken. Die Werte sind verloren gegangen, werden nicht mehr vermittelt und mit ihnen geht die Dankbarkeit. Die Dinge, die wir zum Leben brauchen, stehen im Supermarkt im Regal, kann man online per Klick bestellen und wenn was nicht gefällt, schickt man es einfach zurück. So funktioniert Leben heute. Nichts mehr mit schwerer, körperlicher Arbeit, mit Schwielen an den Händen und Schmerzen im Kreuz. Den Blick haben wir längst nicht mehr, ob und wie viel Arbeit dahinter steckt, bis wir Brot auf dem Tisch haben. Kann man ja zur genüge kaufen, im Supermarkt und wenn es trocken wird, werfen wir es weg und holen neues. Fertig geschnitten, dann müssen wir nicht auch noch ein Messer in die Hand nehmen, um das Brot aufzuschneiden. Dass die Bauern grade um das Korn fürchten, aus dem unser Brot gebacken wird, leuchtet von uns kaum jemand ein.

Das ist die Welt, das haben wir aus ihr gemacht. Wir belächeln alte Kulturen, die einen Donnergott hatten und die Sonne verehrten. Wenn ihr mich fragt, hatten diese Kulturen den besseren Draht zur Erde als wir. Immerhin haben die noch verstanden, dass wir von der Erde abhängig sind, nicht sie von uns. Dass wir mit der Erde sterben, wenn sie stirbt. Dass wir verhungern, wenn die Ernte vertrocknet, dass wir sterben, wenn die Naturkatastrophen stärker und größer werden als wir. Sie haben gebetet, um zu überleben – wir zerstören, um zu vergehen. Und wenn wir die Hände falten, um beten zu wollen, dann fragen wir uns, wofür; wir haben doch alles. Und erinnern uns nicht mehr, woher das alles eigentlich kommt…P1000098

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