12. August Heile heile Segen

Inzwischen sitzen wir den fünften Tag daheim fest. Mein Sohn hat sich irgendeinen Virus eingefangen, der mit Kopfschmerzen und Fieber anfing und inzwischen mit Brech – Durchfall meine Waschmaschine am Laufen hält. Das war nun die dritte, mehr oder weniger schlaflose Nacht und es ist immer noch kein Ende in Sicht. Im Gegenteil, es scheint immer schlimmer zu werden. Im Moment bliebt mir nur, weiter zu beten, dass der Bruder und ich verschont bleiben.

In solchen Zeiten komm ich immer wieder an einen Punkt; ich bin froh und sehr dankbar, dass von uns keiner chronisch krank ist. Es schränkt ja auf Dauer nicht nur die Lebensqualität ein, sondern bringt ja oft auch Schmerzen mit sich. Seit Jahren bin ich mit jemandem befreundet, der schon sein ganzes Leben mit Schmerzen verbringt. Oft nächtelang wach liegt und vor Schmerz keinen Schlaf findet. Unvorstellbar für jemanden, der sein ganzes Leben lang mehr oder weniger gesund war. Und auch in der Familie hab ich jemanden, der seit einer notwendigen OP nur noch Schmerzen hat und keine Aussicht darauf, dass daran noch mal etwas zu ändern ist. Es macht machtlos und auf mich wirkt es irgendwie betäubend, wenn einem Menschen sagen, dass sie eigentlich nicht mehr leben wollen. Sie würden es vorziehen, zu sterben, um diesem dauerhaften Schmerz endlich zu entgehen. Ich frage mich dann, wie viel Schmerz so ein Mensch wohl schon ertragen hat, um an diesen Punkt zu kommen. Ich erinnere mich an den Tag, an dem mein großer Sohn auf die Welt kam. Es war ein Kaiserschnitt und der ging ziemlich schief. Die ersten Tage danach hatte ich brutale Schmerzen, als würde jemand mit einem glühenden Messer wieder und wieder meinen Bauch aufschneiden. Mit diesem Schmerz hätte ich auf Dauer auch nicht leben wollen. Und wenn ich mir ganz vorsichtig vorstelle, wie es wohl gewesen wäre, damit leben zu müssen, dann wird mir sehr übel.

Wir sollten viel bewusster mit unserer Gesundheit umgehen. Sehr viel mehr Dank empfinden für eine einfache Tatsache, die unglaublich viel Lebensqualität und Freiheit bedeutet; gesund sein! Im Schulunterricht hat mal ein Lehrer gesagt: „Wenn man krank ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten; man wird wieder gesund oder man stirbt.“ Was mich zunächst schockierte, machte später für mich keinen Sinn mehr. Klar, wenn man schwer krank war, dann konnte man sterben. Aber es gibt auch Menschen, die überleben, die Frage dabei ist nur, WIE. Mit welchem Handikap, mit wie viel Lebensqualität, mit welchem Schmerz? Und jeder Mensch, den das betrifft, hat mein tiefes Mitgefühl und meinen größten Respekt. Vielleicht sollten wir an sie denken, wenn wir mal wieder jammern wollen, wie schlecht es uns geht. Uns – in Situationen wie meiner grade – bewusst machen, dass wir bald wieder gesund sind und genau DAFÜR einfach nur dankbar sein. Ich muss mal eben nochmal das Bad aufwischen und die nächste Ladung Wäsche in die Maschine packen. Bin ich froh, wenn das vorbei ist! Und noch mehr froh bin ich, dass es vorbei gehen wird…

 

IMG_1393

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s