7. August … einmal entrümpeln bitte…

Es hat ja auch Vorteile, wenn es so heiß ist. Da meine Kinder kaum noch aus dem Haus wollen bei der Hitze, erledigen wir viel daheim. Der Keller ist fast entrümpelt, danach streichen wir das nächste Zimmer. Wenn das so weiter geht, ist hier im Herbst alles renoviert…

Was ich besonders mag an solchen Aktionen ist das ausmisten. Alles, was nur rumliegt und keiner mehr braucht, kann weg. Herrlich, wie man da Platz schaffen kann und befreit aufatmet, wenn das verstaubte Zeug mal weg ist. Ginge es nach mir, wäre die Wohnung morgen leer. Ich halte am materiellen nicht an viel fest. Ein paar wenige Bücher, wichtige Unterlagen, meine Schulsachen, meine xBox und natürlich mein Altar. Wobei ich selbst den zum Teil ausgeräumt habe. Die Zeiten verändern sich und manches verliert darin an Wert. Manchmal einfach nur deshalb, weil wir ihnen keinen Wert mehr geben. Kennt ihr das, wenn man Dinge aufhebt, nur weil man es mit etwas verbindet? Weil eine ganz besondere Erinnerung daran hängt? Mein erstes „Relikt“ war eine Cola Dose von meinem ersten Schwarm, der mich nach nur einer Woche wieder verlassen hatte. Jahre hab ich sie in meiner „Schatzkiste“ aufgehoben. Und wenn es mir schlecht gehen sollte, dann nahm ich sie raus und küsste den Teil der Dose, den sein Mund beim trinken berührt hatte. Herrlich,wie ich manchmal leiden wollte. An Dingen festhielt, die längst vorbei waren. Die Dose ist längst fort, die Erinnerungen an ihn – wie man grade hier lesen kann – sind noch immer da, auch wenn sie mich nicht mehr beschäftigen. Wir können also unsere Erinnerungen bewahren, ohne ihnen Relikte zuzuordnen. Was das ganze erheblich vereinfacht, Erinnerungen brauchen weniger Platz als Gegenstände.

Diese Dinge loszulassen fällt mir nicht mehr schwer. Und selbst die Erinnerungen dazu kann ich heute problemlos loslassen. Wir können uns erinnern, an bessere Zeiten, an unvergessliche Momente, an die Nächte unseres Lebens und die Augenblicke, die das Leben für uns erst lebenswert gemacht haben. Fakt ist aber, dass wir nichts, keine einzige Sekunde davon zurück haben können. Vielleicht können wir den Duft dazu noch mal riechen, den Sound dazu noch mal hören, die Worte aus längst vergangener Zeit noch mal lesen; letztendlich quälen wir uns selbst mit der Tatsache, dass wir etwas, was uns verdammt wichtig war, verloren haben. Verloren an die Vergangenheit, an die Zeit, restlos weggetickt von der Uhr des Lebens. Warum knechten wir uns manchmal mit unserem eigenen Schmerz? Weil er lebendig macht? Weil wir diesen einen Schmerz immerhin noch spüren? Weil wir jedes andere Gefühl verloren haben? Ich hatte noch viel mehr Gründe, um leiden zu wollen und ich vermisse heute keinen einzigen mehr davon. Viel mehr bin ich dankbar, dass ich all das losgelassen hab und mich nichts davon heute noch berührt. Manchmal sollten wir nicht nur unsere Wohnung, unser Haus entrümpeln, sondern ganz besonders unser Herz und unsere Seele. Denn wenn beides nicht zu schwer tragen muss, bleibt beides frei. Leicht und frei…

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