5. August … und pflanz einen Baum!

„Wer Bäume setzt, obwohl er weiß, dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird, hat zumindest angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.“ Tagore

Jetzt hat sie wieder einen doofen Spruch gefunden! Juhuuu! Aber mal ehrlich, ich find den gut. Wie oft fangen Menschen etwas erst gar nicht an weil sie davon ausgehen, dass es sich nicht lohnt? Oder weil sie sich errechnen, dass der Weg zu ihrem Ziel länger ist, als der Nutzen ihres Zieles groß. Woran berechnen diese Menschen das? Was ist der Maßstab der Dinge, wenn jemand festlegt, ob sich etwas lohnt? Und warum überhaupt muss sich alles lohnen? Ist der Weg zum Ziel gar nichts wert?

Natürlich kann man hergehen und sagen; alles, was ich im Moment brauche, ist ein höherer Schulabschluss. Ja, den brauch ich und ein wenig wird das noch dauern. Aber allein der Weg dahin erfüllt mich und sagt mir jeden Tag; sieh her, ich kann es noch, ich mach was aus mir, es ist nie zu spät! Jahrelang hab ich einfach hingenommen, dass mir durch meine Situation nichts mehr möglich ist; kein lohnender Job, keine hübsche neue Wohnung, kein Partner der das auf Dauer mitmacht. Den Kopf hab ich in Demut gesenkt und angenommen, was mir unausweichlich erschien. Bis mir etwas viel größeres gelang; ich hab aus mir selbst einen anderen Menschen gemacht. Einen, der nicht hinterfragt, ob es Sinn macht, ob es sein darf, ob es lohnt. Sondern einen, der vertraut und im Glauben an sich selbst einfach nur seinem Herzen folgt. Inzwischen ist mir auch klar, dass meine Schule zur Zeit nicht nur über mich aussagt, dass ich etwas aus mir machen will. Sondern viel mehr, dass ich keine Angst mehr vor Veränderung habe, Mut für Neues mit bring und die Kraft habe, neben meinen Kindern, Arbeit und Haushalt noch mein ganz eigenes Ding durchzuziehen. Das alles sagt mehr über mich aus als die einfache Tatsache, irgendwann vielleicht einen höheren Schulabschluss zu haben.

Also was ist nun mit dem Baum, den ich grad pflanze? Bis der Schatten wirft, werd ich vielleicht längst nicht mehr sein. So wie meine Bonsai – Pflanzen, welche ich vor einem guten Monat gesetzt habe. Bis aus diesen kleinen, zarten Pflänzchen auch nur annähernd Bäume werden, vergehen sieben bis acht Jahre. Warum also pflanzt man so etwas überhaupt? Ganz einfach; weil ich es will! Und weil ich dabei sein wollte, wenn etwas neues entsteht – etwas so tolles wie einen Bonsai. Ich möchte heraus finden, ob es mir möglich ist, ein Samenkorn diesen langen Weg zu begleiten, bis tatsächlich ein Baum draus wird. Dieser Weg allein treibt mich dazu an, interessiert mich und lässt es mich tun. Da spielt es noch nicht mal eine Rolle, dass ein Bonsai ohnehin nie Schatten spenden wird. Wir sollten lernen, allein den Weg bereits zu lieben, der uns zu etwas führt. Allein unseren Mut zu schätzen, der uns etwas erlaubt. Und unserem Herzen zutiefst danken, dass es fähig ist, die ganz besonderen Dinge im Leben zu lieben, damit wir sie wollen. Vergesst die Zielfahne, lebt allein den Weg bis hin zu eurem Ziel und vergesst dabei nie; wenn wir andere lieben, so wie wir uns selbst lieben, dann wird es uns nie stören, dass sie den Schatten genießen können, den wir erschaffen haben! Es wird mit Sicherheit irgendwen geben, der davon profitiert, dass wir einen „Baum gepflanzt“ haben.

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