30. Juli … wer bin ich…

So genau kann das wohl niemand sagen, wie vielen Menschen wir in unserem Leben begegnen. Manche gehen spurlos an uns vorüber, andere hinterlassen Erinnerungen in unserem Kopf und manch einer hinterlässt tiefe Spuren in unserem Herzen. Wem da welche Rolle zuteil wird, wählen wir nicht selbst. Oft erkennen wir erst, welche Spuren jemand in uns zurücklässt, wenn dieser gegangen ist. Warum aber gibt es Menschen, die unser Leben von Grund auf verändern, so ziemlich alles auf den Kopf stellen und unsere eigene, sorgsam erstellte Ordnung durcheinander oder gar in Frage stellen? Nicht zu vergleichen mit denen, die zwar alles auf den Kopf stellen, aber damit nur Unruhe in unser Leben bringen. Selten aber durchaus wichtig sind auch die Menschen, die sich langsam, aber irgendwie konstant in unser Leben integrieren und einfach bleiben; Freunde. Freunde, die einem im richtigen Moment den Kopf waschen, mit uns über Witze lachen, die Außenstehende oft gar nicht verstehen. Freunde, die bleiben, wenn jeder andere längst gegangen ist und denen man einfach alles erzählen kann, ohne sich jemals fürchten zu müssen, sie gehen damit hausieren oder verstehen davon irgendwas nicht.

Irgendein Teil von uns selbst oder irgendetwas auf dieser Welt entscheidet also, was aus den Menschen wird, denen wir begegnen. So kommt jeder an seinen Platz und verweilt dort für eine Zeit. Ich denke, die wenigsten ein Leben lang, viele verschwinden einfach irgendwann wieder und manche bleiben einfach eine Weile. An manche gewöhnt man sich irgendwie, der ein oder andere wird eigentlich nur bemerkt, wenn er direkt vor einem steht und ganz wenige – oft nur ein einziger – werden unverzichtbar und für uns selbst besonders wichtige und geschätzte Menschen in unserem Leben. Bester Freund, Seelenfreund, DER Kumpel, mit dem man Pferde stehlen kann; ganz egal, wie wir ihn nennen, fast jeder hat diesen einen besonderen Menschen in seinem Leben. Einen, der uns kennt, wirklich kennt , mit all unseren Fehlern, Macken und Leichen im Keller. Einer, der unsere Wunden kennt und dem wir das Vertrauen schenkten, dass er nie absichtlich reinfassen wird. Einer, der unsere dunkelste Stunde kennt und unseren leisen Größenwahn, wenn wir träumen und uns die Welt vorstellen, wie sie nie sein wird, wir sie aber gern hätten. Einer, der mit uns schweigt, wenn kein Wort dieser Welt noch irgendwas bringt und der uns nur für einen Moment ansehen muss, um zu wissen, wie es uns wirklich geht.

Jeder Mensch in unserem Leben steht an seinem Platz, da, wo wir ihn hingestellt haben. Manchmal kommt es vor, dass wir bei diesem Menschen an einer anderen Stelle stehen, als er bei uns. Und dann gibt es Menschen, die behaupten, sie würden einen kennen. Sie wüssten, „wie man tickt“. Wenn ich eines gelernt habe in diesem Leben, dann ist es die Tatsache; Menschen kennt man nie! Nie! Vielleicht lernt man, den ein oder anderen einzuschätzen. Vielleicht erkennt man Muster, sich immer wiederholende Abläufe oder Eigenheiten. Aber mal Hand aufs Herz; wie oft haben wir schon sagen müssen; „das hätte ich nie von ihm /ihr gedacht!“? Das hätte ich nie erwartet!

16 Jahre hat mein Vater im gleichen Haus wie meine Familie gelebt; kennen gelernt hab ich ihn eigentlich nie. Wie er wohl wirklich ist, hab ich erst verstanden, als er ging. Was bis dahin Respekt – nahezu Angst – vor meinem „alten Herrn“ war, schlug um in Wut und Hass. Oder ein langjähriger Freund, mein halbes Leben haben wir uns gekannt, als er mir sein wahres Gesicht zeigte. Manche Menschen lernt man erst kennen, wenn man die richtigen – oder sollte ich falschen sagen – Situationen mit ihnen verbringt. Manche Menschen kennen sich selbst nicht mal, wie also sollen wir sie dann kennen? Menschen verändern sich, im besten Fall entwickeln sie sich immer weiter. Und wenn es nicht grad unser bester Freund ist, erzählen sie uns auch nicht alles, restlos alles, über sich selbst. Was also will mir ein Mensch damit sagen, wenn er meint „Ich kenn dich“ oder „Ich weiß, wie du tickst“? Dass er glaubt, zu wissen, wer ich bin? Dass er glaubt, zu wissen, wie ich mich verhalten werde, wie ich reagieren werde? Menschen erstaunen mich immer wieder. Und was ich manch einem gern mit auf den Weg geben würde; stellt sicher, zu wissen, wer ihr seid, bevor ihr glaubt zu wissen, wer andere sind… 😉

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