27. Juli …warum ich lieber allein bin…

Manchmal bin ich es ein wenig Leid, immer wieder jemandem erklären zu müssen, warum ich nicht mal eben eines meiner Kinder irgendwo schnell abgeben kann für zwei, drei Stunden. Aktuell erklär ich das grade dem zukünftigen Therapeuten meines Sohnes, der jetzt in den Ferien einen Termin haben möchte. Diese ungläubigen Reaktionen, nahezu entsetzen; „Sie haben niemanden, der das mal eben machen kann?“ Nein, hab ich nicht. Familie fällt leider zu der Zeit aus. Und aus „unerfindlichen“ Gründen ziehe ich es seit Jahren vor, zurück gezogen zu leben. Warum? Tja, ich weiß nicht, ob ich das einem Therapeuten erklären möchte. Dass ich oft höre und fühle, was andere Menschen denken, wenn sie mich nur ansehen. Dass ich sofort weiß, wenn mich jemand anlügt und manchmal einfach nur Eingebungen zu Menschen habe, die immer zutreffen. Das ist nicht nur anstrengend, sondern macht es auch ziemlich schwer, ehrlich und direkt zu bleiben. Man kann nicht jedem Menschen einfach die Wahrheit ins Gesicht knallen. Und viele kennt man dafür schlicht zu wenig.

Mir war das alles irgendwann so sehr zu viel und zuwider, dass ich anfing, Menschen zu hassen. Ich wollte nicht mehr wissen, was sie denken, während sie mir etwas völlig anderes erzählten. Ich traute mich oft nicht, ihnen die Wahrheit zu sagen und damit ihre Lügen zu entlarven. Heute habe ich sehr wenige Kontakte, die für mich überschaubar bleiben, die mich inzwischen sehr gut kennen und die für mich zu Freunden wurden, die meine Welt ein Stück weit verstehen. Inzwischen bin ich mit mir selbst so sehr eins geworden, dass ich selten Menschen um mich herum brauche. Wodurch ich kaum noch Interesse habe, neue Leute kennen zu lernen. Und nun gibt es Menschen, die mir immer wieder einreden wollen, dass das falsch sei, was ich mache. Dass man so nicht leben kann, ohne ausreichend soziale Kontakte. Ich hab also keine Überlebenschancen, nur weil ich nicht – wie viele andere – alleine nicht lang existieren kann? Weil ich nicht ständig jemanden brauche, der mir sagt, dass er mich liebt, ich wichtig bin, der mich festhält wenn ein Sturm durch meine Welt tobt, der mich umarmt wenn irgendwo ein Stück dieser heilen Welt wegbricht? Ich bin falsch, weil ich das nicht brauche? Weil ich gelernt habe, mich selbst zu lieben, aufrichtig und ehrlich? Weil ich weiß, dass ich genug bin, genauso wichtig oder unwichtig wie jeder andere? Weil ich mir selbst halt gebe, selbst im Sturm? Weil ich gelernt habe, mich selbst zu umarmen und bei all diesen Dingen eines immer garantiert weiß; wie ehrlich ich es mit mir selbst meine?! Deswegen bin ich falsch? Nicht richtig? Anders? Manchmal muss ich bei solchen Anschuldigungen lächeln. Ich meine, wer von uns ist denn nun frei? Unabhängig und frei? Nie ist es mir in meinem Leben besser gegangen, als in der Zeit, in der allein ich selbst mir am nächsten war.

Wenn das also der Preis ist, in mancher Augen unsozial zu sein und somit auch nicht auf Dauer lebensfähig, dann bezahl ich den gern. Ich hab viele Jahre schon so gelebt und werde noch sehr viele Jahre so leben – das mit dem „nicht lebensfähig“ ist also bald widerlegt. Ob ich unsozial bin, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir persönlich ist es völlig egal. Und der Therapeut wird lernen müssen; Mama macht das schon und zwar ganz alleine. Und daran wird sie auch nichts ändern…

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