26. Juli … falsche Antwort…

„Auf einer Skala von Null bis zehn; wie geht es Ihnen, wenn Null sehr schlecht und zehn sehr gut ist?“ Verhaltenstherapeut

Was ist das eigentlich für eine Frage? Man soll ja dann auch relativ schnell eine Antwort geben können. Nur, wer denkt da drüber nach, bevor einem diese Frage gestellt wird? Teilt irgendwer wirklich seinen Gemütszustand generell anhand einer Skala ein? „Oh heute geht es mir aber gut, ich geb mir heute eine 7!“ Ich kenn keinen, der das macht. Und dann sitzt man da, ziemlich unvorbereitet für so dämliche Fragen und denkt einen Moment nach; auf einer Skala… wie geht es mir heute?

Nun kann man hergehen und einem Therapeuten erklären, dass man morgens aufsteht und sich dazu entscheidet, dass es einem gut geht. Auf einer Skala? Puh, wo gehört das hin? Und vor allem will man einem Therapeuten nicht erklären, warum man das selbst entscheidet, wie es einem geht. Und ganz besonders; ich bin nicht der Patient, sondern mein Sohn. Also, wie geht es mir auf einer Skala von… bis…? 8 war meine Antwort und er sah mich irritiert an. „Sie geben sich eine 8, obwohl sie all diesen Stress mit Ihrem Kind haben?“, war seine Frage darauf. Ich meine, „Sie geben sich“ – was zum Teufel ist das? Ich geb mir gar nix, ich versuche nur, eine saudoofe Frage zu beantworten. Erklär mal einem Therapeuten, dass du deinen Gemütszustand und deine allgemeine Fassung nicht vom Außen abhängig machst – also von all den Einflüssen und Geschehnissen, die einem den ganzen Tag begegnen – sondern allein dein Herz und deine Seele entscheiden lässt, wie es ihnen geht? Manchmal bin ich froh, dass ich meinen Psychotherapeuten nur auf dem Papier brauch und nicht allein damit arbeiten werde. Die Logik von Therapeuten ist manchmal schon sehr Schema und auswendig gelernt.

Als Kind war ich auch bei Psychologen – übrigens findet man die heutzutage kaum noch, nur noch Psychotherapeuten – und ich fand die Herren sehr interessant, konnte aber keinen von denen auch nur annähernd zufrieden stellen. Scheinbar passten meine Antworten in kein Schema. Der letzte Psychologe, der mich in meiner Kindheit in seine Mangel bekam, meinte nach unserer ersten Sitzung; vielleicht sollte deine Mutter mal bei mir zur Sitzung vorbeikommen… Er war mein letzter, von Mutti gesuchter Therapeut.

Fakt ist, der Therapeut meines Sohnes fragte mich, warum ich also trotz allem eine 8 habe. Ich sagte ihm, dass wir kurz vor den Sommerferien stehen. Sprich, meine Jungs sind jetzt 5 Wochen daheim. Wenn ich mir da VORHER schon das „es geht mir ziemlich gut“ nehmen lass, was mach ich dann in den Ferien? In den Minusbereich gehen?

Nun, ich hab es immer noch drauf, Antworten zu geben, die dem Therapeuten nicht passen. Den Rest unseres Gespräches fing er die meisten Sätzen mit „… wenn das stimmt, was Sie erzählen,…“. Respekt! Da wird mir also mal eben unterstellt, ich erzähle Mist? Und was genau schwebt einem da so vor? Die Berichte, wie sich mein Sohn manchmal verhält und aufführt, sind gelogen oder die Tatsache, dass es mir trotz allem noch ganz gut geht? Ja, auf der Ebene kann man arbeiten, prima! Eines weiß ich jetzt schon; mein Sohn wird ihm auch nicht die richtigen Antworten geben können, der passt nämlich auch nicht in ein Schema. Das hat er von seiner Mutter… 😉

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