24. Juli … wenn die Stille zu laut wird…

„Die Trägheit des westlichen Menschen besteht darin, dass er sein Leben derart mit fieberhafter Aktivität anfüllt, dass ihm keine Zeit mehr bleibt, sich mit den wahren Fragen auseinander zu setzen“ Sogyal Rinpoche

Ich weiß es ja nicht, wie es euch oder anderen damit geht aber ich find mich in vielen von diesen Sprüchen oder Aussagen wieder. Zumindest was meine Vergangenheit betrifft. Da les ich solche Sätze und denk mir „Ja, Jaaaaaa genau so wars!“ und bin immer wieder froh, dass ich getrost sagen kann „war“. Kennt ihr das, wenn man sich regelrecht ertappt fühlt? Nur um dann erleichtert festzustellen, dass man da zum Glück längst raus ist?

Es gab Zeiten, da habe ich von früh morgens bis spät nachts gearbeitet. Was hab ich diese Zeiten geliebt! Und das, obwohl ich mich mit Arbeit selbst knechten musste, um im Kopf halbwegs frei zu sein. Ich fand mich damals gar nicht so dumm und immerhin ging meine Rechnung lange auf. Ich hab mein Leben so lange mit Arbeit gefüllt, dass ich während dessen keine Zeit hatte und danach zu müde zum nachdenken war. Meine Angst war zu groß, in meinen Träumen die Teile meines Lebens wiederzufinden, welche mein Kopf nicht verarbeiten konnte. Also gab ich alles daran, so lange und viel zu arbeiten, dass ich nachts irgendwann todmüde ohne einen einzigen Gedanken einschlafen konnte, kaum dass mein Kopf das Kissen berührte. Ich wollte meinen Dämonen nicht begegnen, welche in meinem Kopf hartnäckig festsaßen und sich laut und brüllend bemerkbar machten, sobald es dort still wurde. Manchmal fühlte ich mich wie ein kleines, trotziges Kind, welches laut und störrisch gegen die Ruhe ankämpft, die Eltern manchmal einfordern. Ich kann heute nicht sagen, ob es irgendwas verändert oder gar gebessert hätte, wenn man mich damals wie ein kleines Kind einfach in den Arm genommen hätte. Geschadet hätte es sicher nicht. Was mir schadete, waren die Tage, an denen es im Sommer regnete. Denn dann blieb der Biergarten zu und ich bekam unerwartet frei und ich musste zusehen, wie ich die Zeit totschlagen konnte. Meistens setzte ich mich in mein Auto, fuhr ziellos in der Gegend rum und hörte auf meiner Anlage so laut Musik, dass mein Gehirn keinen Fuß auf den Boden bekam, um nachzudenken.

Warum lernen wir eigentlich solch wichtige Dinge fürs Leben nicht? Wie man Gedanken loswird, die man eigentlich gar nicht haben will? Wie man die Dämonen zum Schweigen bringt, die einem tiefe, blutige Wunden schlagen und wieder und wieder verhindern, dass Wunden heilen? Wie kann es soweit kommen und wie wird man sie wieder los? Ich fand nur einen Weg aus diesem Teufelskreis; in meiner dunkelsten Stunde beschloss ich, genau das zu tun, wovor ich am meisten Angst hatte. Mit hoch erhobenem Schwert rannte ich in Todesangst auf meinen schlimmsten Dämonen zu und schloss die Augen; einer von uns beiden würde jetzt überleben. Nur einer. Wenn man mich konkret fragen würde; ja, ich hätte gern Angst gehabt. Aber ich hatte keine. Umso weiter ich auf das Biest zu rannte, umso ruhiger wurde ich. Es gab ja nur zwei Möglichkeiten; entweder würde ich siegen und dieses Mistvieh endlich vernichten oder es würde mich vernichten. Mir war es inzwischen egal, für mich zählte nur eines; egal, wie das ausgehen würde, ich würde danach Frieden haben. Stille. Ruhe. Mehr wollte ich nicht mehr.

Ich hab meinen schlimmsten Dämon besiegt und ich weiß bis heute, dass nach ihm keiner mehr kommen wird. Heute ertrag ich die Stille um mich herum und was noch viel wichtiger ist; die Stille in mir selbst. Ich muss nicht mehr vor mir und meinen Gedanken davon laufen. Inzwischen kann ich mir – wenn es meine Zeit zulässt – erlauben, gar nichts zu tun, außer einfach bei mir selbst zu sein. Ich liebe diese Momente. Da bin ich besonders ehrlich zu mir selbst und dann stell ich mir oft die Frage; wie gehts dir, Nici? Irgendwelche Probleme? Und ich antworte aus tiefstem Herzen: Es geht mir gut, danke. Keine Probleme und das ist gut so!

Ich hab heute meinen Frieden und den kann man sich nicht erkämpfen. Den muss man sich selbst erlauben, zugestehen und dann muss man Frieden mit sich selbst machen. Wenn man das geschafft hat, dann muss man ihn nur noch ertragen. Denn Friede ist wie vieles eine Entscheidung und wer ihn nicht wirklich will, wird ihn nicht lang ertragen.

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