14. Juli Bin ich, war ich oder werde ich sein?

Wie geht ihr eigentlich mit Zeit um? Ich mein, sie kommt und geht vorbei und fühlt sich oft an, als wäre sie viel zu schnell zerronnen. Aber wo seid ihr mit euren Gedanken? Stellt ihr euch vor, wie es irgendwann sein wird; habt ihr Träume, an denen ihr festhaltet und auf die ihr hinarbeitet? Glaubt ihr an bessere Zeiten und seid bereit, alles dafür zu tun? Oder ist es nur eine Flucht in eine Illusion, die es nie geben wird aber sie hält euch aufrecht und lässt euch glauben, dass allein die Zeit euch ein besseres Leben zaubern wird? Seid ihr in der Zukunft mit euren Gedanken?

Oder doch in der guten, alten Zeit? Ihr könnt den Duft eurer Kindheit noch riechen und die Klingel vom Eismann noch hören, müsst nur dran denken. Ihr haltet fest an eine längst vergangene Zeit, welche schön war, ihre Tücken hatte aber wenigstens den Vorteil hat, dass sie vertraut ist; immerhin haben wir sie schon gelebt. Es ist keine ungewisse Zukunft, sondern beruhigende, bis ins Detail bekannte Zeit, die wir wieder und wieder durchleben und auskosten können. Hängt ihr gedanklich fest in einer Zeit, die ihr liebt – oder hasst – und euch fesselt? Von der ihr aber keinen einzigen Moment mehr ändern könnt und ihn so, wie er war, auch nie wieder erleben werdet?

Beides nicht? Ihr seid weder in der Zukunft noch in der Vergangenheit mit euren Gedanken? Dann macht ihr es wie ich. Ich habe meine Gedanken fast immer in der Gegenwart. Klar habe ich Ziele und weiß, wo ich hin will. Aber gedanklich bin ich fast nie dort und träume davon, sondern arbeite stetig daran, an dieses Ziel zu kommen. Noch seltener bin ich gedanklich in meiner Vergangenheit. Nicht einen Moment davon hab ich vergessen, mehr als ein halbes Jahr hab ich allein damit verbracht, mein Leben aufzuschreiben. Jahre meines Lebens habe ich damit verbracht, zu behaupten – wie viele andere übrigens auch – dass diese Vergangenheit diesen Menschen aus mir gemacht hat, der ich heute bin. Ich glaube, einen größeren Irrtum habe ich nie gehabt als diesen. Ja das Leben verändert uns, Dinge die geschehen, die wir durchleben, die wir manchmal aushalten müssen, beeinflussen unser Denken und Handeln; das alles mag sein. Und doch musste ich lernen, dass allein wir selbst uns dazu entscheiden, wer wir sind, wie wir sind. Dass es allein an uns selbst liegt, ob uns unser Leben formt und prägt und vielleicht sogar Menschen aus uns macht, die wir nie sein wollten. Oder ob wir anerkennen, dass das Leben Lektionen erteilt, an denen wir stetig wachsen können – wenn wir uns nur darauf einlassen – und wir uns damit bewusst weiter entwickeln. Wir entscheiden ganz allein, ob wir irgendwann voller Furcht, ohne Hoffnung und mit erhobenem Schwert in unserem Leben stehen, bereit, den nächsten, der uns angreift, einfach nieder zu metzeln. Entschlossen, um alles und jeden zu kämpfen, der uns wichtig scheint, weil das Leben uns glauben gemacht hat, dass man ohne Kampf rein gar nichts erreicht. Oder ob wir im Vertrauen bleiben, nie aufhören, an das zu glauben, was uns stark macht und unser einziges aktives Schwert unsere tiefe Hoffnung ist. Wenn wir das gelernt haben – dass man im Leben um rein gar nichts kämpfen muss – dann sind wir fähig, unbewaffnet auf das vermeintliche Schlachtfeld Leben zu gehen.

Ich hab mal erwähnt, dass ich mein Schwert und meine Rüstung noch hab und wenn ich wirklich mal einen Blick darauf werfe, dann nicht, um mich zu erinnern. Sondern nur als Mahnmal meiner selbst, wo ich nie wieder hin möchte. Mein Leben besteht nicht aus Erinnerung an längst vergangene Zeiten, an eine Kindheit, die nach außen schön war und doch in meinem innersten schon die Hölle gebar, in der ich dann Jahre verbracht habe. An eine Jugend, die mich noch weit mehr entzweite als meine Kindheit und all die sinnlosen Jahre danach, die ich nur als Bonus betrachtete; Bonus von meinem eigenen Leben, Jahre, die ich nie haben wollte. Ich leb nicht in diesen Erinnerungen und auch nicht in Träumereien meiner Zukunft. Ich lebe hier, im Jetzt und mir genügt es, zu wissen, was mich stark gemacht hat und wie ich stark bleiben werde.

Kürzlich hat mich wieder einer gefragt, woran ich glaube. Meine übliche Antwort kennt ihr wahrscheinlich; an mich selbst. Und warum ausgerechnet daran, wollte er wissen. Ja, warum glaube ich an mich selbst? Weil es mich stark gemacht hat; stark für ein Leben, von dem mir immer wieder jemand sagt; ich wär nicht so weit gekommen wie du!

Wo also verbringt ihr gedanklich eure Zeit? Seid ihr euch eurer selbst bewusst genug, um einfach nur zu sein? Ohne „ich war“ und „ich werde sein“ sondern rein nur mit „ICH BIN“?

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2 Kommentare zu „14. Juli Bin ich, war ich oder werde ich sein?

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