10. Juli … katholisch werden…

Kennt ihr den Spruch „Da wird man katholisch“? Sagt man bei uns gelegentlich, wenn man so Angst oder Sorge hat, dass man anfängt zu beten. Ich werde manchmal gefragt, woran ich glaube und meine Antwort darauf ist immer die selbe; ich glaube an mich selbst. Und das hat keineswegs mit Größenwahn zu tun, sondern schlicht und ergreifend damit, dass auch mein Glaube bei mir selbst beginnt. Trotzdem bezweifel ich nicht, dass es etwas gibt, was uns übergeordnet ist, uns bewacht, beschützt.

Als ich Anfang zwanzig war, machte ich mir viele Gedanken über das Leben, den Sinn, Gott und die ganze Welt. Im Nachhinein würde ich sagen, ich machte mir über alles Gedanken, außer über mich selbst. Schon lang war ich der Meinung, nicht Gott habe uns erschaffen, sondern wir ihn. Um an jemanden glauben, hoffen, bitten zu können. Gott war unser Altar, an dem wir knieten und um Hilfe baten, auf dem wir „opferten“, um zu danken oder zu fordern. Er war die Antwort auf alle Fragen, die sonst unbeantwortet bleiben würden. So erklärte ich mir Gott damals und lange blieb ich bei diesem Gedanken.

Inzwischen habe ich aufgehört, mich zu fragen, wer er ist. Ob er einen Sohn hat. Ob es auch nur ansatzweise möglich ist, dass er die Welt erschaffen hat, mit all ihrem Übel und Unrat. Und wie oft habe ich mich gefragt; WO ist Gott, wenn ein Kind stirbt oder anderes, wirklich grausames und ungerechtes auf dieser Welt geschieht? Ich versuche nicht mehr, ihn mir vorzustellen mit all seiner Güte, wie es die Bibel uns glauben machen will. Alles, was ich noch – bezogen auf Gott – mache, ist VERTRAUEN. Vertrauen, dass es etwas gibt, was uns immer umgibt und beschützt, ganz egal was es ist.

Auch in meinem Leben gibt es Momente, da werd ich „katholisch“ und das, obwohl ich – zumindest auf dem Papier – evangelisch bin. Allerdings fangen meine Gebete schon lang nicht mehr mit „Lieber Gott“ an, sondern mit „Was auch immer da draußen ist…“. Und so lange ich aufrecht stehen kann, so lange wird der Glaube an mich selbst bestehen und daran, dass ich nie allein sein werde, so lange ich im Vertrauen bleibe.

Religion ist etwas, was ich nie ganz verstehen werde. Was daran ist heilig, Kriege im Namen irgendwelcher Götter zu führen? Warum kann man sich bis heute nicht einigen, wem das „heilige Land“ gehört? Gehört uns überhaupt irgendwas auf dieser Welt? Gehören wir uns selbst? Vielleicht muss jeder selbst sich diese Fragen beantworten. Ich für meinen Teil weiß, dass ich Gast hier auf Erden bin, wie jeder andere auch. Ich bin hier, um mich zu entwickeln, um zu bestehen und letztendlich um zu sein – denn das werde ich immer, in diesem und im nächsten Leben und in allen danach – sein! Sein und glauben, dass ich genug bin. Und wenn das nicht mehr reicht, werd ich vorrübergehend katholisch…

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