6. Juli Gutmütigkeit

Kennt ihr das, wenn man nett sein möchte und dann der Zeitpunkt kommt, ab dem man ausgenutzt wird? Ich begegne diesem Problem fast jeden Tag in Form einer Nachbarin. Eine eigentlich liebenswerte Person, aber kann mit Geld nicht umgehen und ist immer pleite. Fragt mich immer wieder um Geld, wenn ich tatsächlich mal weich werde und ihr paar Euro gebe, renne ich dem Geld Wochen oder gar Monate nach, um es wieder zu bekommen. Abends oder nachts erreichen mich oft auf dem Handy Nachrichten; ob ich Brot hab, Zigaretten,… Wenn sich die Anfragen häufen komm ich da immer wieder in die Klemme. Ich helf gern, wirklich, aber ausnutzen lass ich mich gar nicht gern. Wenn man das Gefühl hat, es wird jetzt quasi einfach nach allem verlangt, was man mal eben so braucht, dann bekommt das alles irgendwie einen faden Beigeschmack.

Vor zwei Wochen war es mal wieder so weit. Nachdem sie mir meinen halben Vorratsschrank leer geplündert hatte (klar hat sie jedes mal vorher gefragt) und ich keine Zigaretten mehr hatte, gab ich nach und drückte ihr 20 Euro in die Hand. Großes Versprechen ihrerseits, am ersten hätte ich das Geld wieder. Und von mir die Ansage; hier ist Ende, bitte nicht mehr betteln, einkaufen gehen. Wir haben es auch nicht übertrieben dicke; wir kommen klar aber ich muss haushalten und vorrausschauen, größere Rechnungen einplanen und wegsparen. Spar mir das dann auch gern mal an meinem Zigarettenkonsum ein oder meinen Extras – ich verzichte, damit es wo anders reicht. Was mich dann irgendwann stört, ist, wenn mein Erspartes dann an jemanden geht, der mit Geld nicht umgehen kann. (wo ist der niedliche, kleine Affe, der sich die Hände vor die Augen schlägt?)

Ach, ich komm da immer in Teufels Küche. Ich mag meine Nachbarin, trink auch mal einen Kaffee mit ihr. Bring ihr immer mal wieder von unserem selbst gebackenen Brot oder wenn wir gebacken haben ein Stück vom Kuchen. Sie trägt genauso ihr Kreuz wie jeder von uns, hat Probleme und Sorgen. Und doch weiß ich, dass ich dafür sicher nicht verantwortlich bin. Dass ich nur soweit helfen kann und darf, wie es sich für mich richtig anfühlt. Und irgendwann muss ich dann wieder das STOP setzen und ihr klar machen; ich bin kein Selbstbedienungsladen, keine Bank, ich hab Grenzen!

Wie geht ihr mit Hilfe um, die zur ausgenutzten Gutmütigkeit wird? Könnt ihr nein sagen, wenn der Punkt erreicht ist und wie fühlt ihr euch damit?

 

P1000075

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