3. Juli … Schmutz oder Sterne…

„Zwei Gefangene sahen durchs Gitter in die Ferne. Der eine sah nur Schmutz, der andere die Sterne.“ Verfasser unbekannt

Wenn ich Zeit übrig habe, lese ich auch mal ganz gerne. Gestern Abend begegnete mir dabei diese Aussage oben und ich finde sie mehr als treffend. Vor vier Jahren bekam ich vom Arbeitsamt ein Angebot. Ich sollte (durfte) mit meinen Kindern für knapp fünf Wochen nach Kreta. Während meine Kinder dort betreut werden, sollte ich arbeiten gehen. „Alleinerziehend im Beruf“ nannte sich das Ganze. Anfangs doch sehr skeptisch, was das bringen soll und ob das nicht eigentlich schon unter Schmarotzen fällt – immerhin kostete mich weder der Flug noch die Unterkunft vor Ort einen Cent, ich musste uns lediglich selbst versorgen – dachte ich mir letztendlich mal wieder; warum eigentlich nicht. Und wenn nur dabei rum kam, dass meine Kinder die Chance bekamen, das Meer zu sehen; die Veranstalter würden 15 alleinerziehende Mütter mitnehmen. Es war also allein meine Entscheidung, ob ich dabei sein würde oder jemand anderes von diesem – eigentlich tollen Angebot – profitieren würde. Wir flogen also nach Kreta und was ziemlich holprig anfing – wir flogen um acht Uhr abends los und landeten mitten in der Nacht, bekamen ein einziges Zimmer zugewiesen, in dem wir zu dritt schlafen mussten – entpuppte sich nach wenigen Tagen als wahnsinnig schön und lehrreich. Zum ersten mal wurde mir bewusst, wie bewegungslos, eingeengt und perspektivenlos mich meine Situation mit den Kindern gemacht hatte. Ich traute uns nicht viel zu, steckte unsere Grenzen ziemlich eng, machte kaum bis sehr kleine Schritte. Als meine Kinder abends schliefen und ich am Pool auf einer Sonnenliege vor unserem Zimmer auf die Dunkelheit wartete, begriff ich, was in den letzten Jahren passiert war; alles, was geschehen war, jede Veränderung, Entscheidung, Problem hatte dazu beigetragen, mich einzugraben. Und so fühlte ich mich in dem Moment; müsste ich wieder nach Hause zurück – und das musste ich unausweichlich – wäre ich wieder lebendig begraben in meinem eigenen Leben. Und als die ersten Sterne anfingen, am Himmel zu funkeln, beschloss ich, das zu ändern. Ich würde nicht zurück nach Deutschland in mein Grab kehren, sondern dafür sorgen, dass es sich genau danach nicht mehr anfühlt. Wenn wir das schaffen konnten – zu dritt fünf Wochen auf 15 qm, selbstversorgend im Ausland, Mama auf Arbeit und die Kids betreut – dann würden wir auch ganz andere Dinge schaffen. Ich musste nur unseren Horizont erweitern, unsere Grenzen auflösen und herausfinden, wo sie wirklich waren. Ich musste atmen, meine Lungen mit Luft füllen und endlich wieder das erfrischende, lebendige Gefühl von Leben in mir fühlen. Mehr nicht. Vielleicht noch lernen, die Sterne am Himmel zu sehen und nicht die Gitter vor meinen Fenstern. Und vielleicht war das die wichtigste Lektion.

Es ist nicht wichtig, was uns im Leben begegnet. Einzig und allein wichtig ist die Art und Weise, wie wir den Dingen begegnen, mit ihnen umgehen und was wir letztendlich daraus machen. WIR selbst entscheiden, ob wir die STERNE sehen…

P1000262

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