28. Juni … offene Tür für alle, die gehen wollen…

Vieles musste ich erst mal lernen durch meine Kinder. Nicht nur, was Erziehung oder Pflege betrifft, sondern auch ganz einfache, alltägliche Dinge. Eine der größten Hürden war es, um Hilfe zu bitten. Dreißig Jahre meines Lebens habe ich es ohne geschafft und es war nicht ganz einfach, meinen Stolz runterzuschlucken und andere zu bitten, mir zu helfen. Es wurde besser, als ich anfing, Möglichkeiten zu nutzen, anderen zu helfen. Wenn es sich anbot, habe ich es einfach immer getan. Aus Dankbarkeit, dass man auch mir half, wenn es nötig war. Aus Demut, weil ich anderen ersparen wollte, darum bitten zu müssen. Aus Freundlichkeit, weil ein wenig Menschlichkeit noch niemandem geschadet hat.

Nun habe ich ja auch um Hilfe gebeten, was meinen kleinen Umbau in meiner Wohnung betrifft. Für einen Moment hätte ich jemanden gebraucht, alles andere mache ich wie immer selbst. Für heute hatten wir einen Termin vereinbart, doch mein Helfer schweigt seit zwei Tagen. Warum? Ich tippe darauf, weil ich seinem praktischen Denken nicht folgen werde. Ihm kam nämlich in den Sinn, jetzt, wo er sich von seiner Freundin trennt und ich ihn um einen Gefallen gebeten habe, bei mir mal nachzuhaken, ob man nicht gelegentlich miteinander im Bett landen könnte. Ganz unverbindlich natürlich, eine Frau mit Kindern möchte man sich nicht ans Bein binden, aber um seine Triebe zu befriedigen würde man dann doch genügen. Da hab ich den Knaben darauf hingewiesen, dass er mich scheinbar trotz jahrelanger Freundschaft nicht wirklich kennt. Denn für sowas geb ich mich sicher nicht her. Dafür bin ich mir nun mal zu schade. Nun, ein kläglicher Erklärungsversuch kam noch, bei dem zurück gerudert wurde und man – mal wieder – auf ein sogenanntes Missverständnis hinwies. Ja ne, ist klar, ich bin mal wieder zu doof für diese Welt und versteh alles falsch. Wie immer halt…

Fakt ist, seither stellt er sich tot. Lohnt sich ja scheinbar nicht, mir einen Gefallen zu tun. Weder werde ich in Naturalien dafür aufkommen noch werde ich ihn hier – wie gewünscht – nackt erwarten. Manchmal mag ich diese Welt nicht. Ehrlich. Wie billig ist das? Mich zu fragen, ob ich nackt sein könnte, wenn ich ihm hier die Tür aufmach. Und wenn ich diese Anfrage klar verneine, heißt es, ich sei feige. Mir fehle ja nur der Mut. Junge, es gab Zeiten, da hatte ich beim Autofahren unter meinem Wintermantel nichts an. Und als mich die Polizei aufhielt, aussteigen ließ und mich fragte, was ich unter meinem Mantel hätte – ich hielt ihn wohl zu auffällig zu – da hab ich mehrmals betont; NICHTS! Man glaubte mir nicht und so machte ich den Mantel auf und stand splitterfasernackt vor den zwei Beamten. Doof geschaut haben sie schon, dann gegrinst. „Achso, das meinten sie mit NICHTS, sagen Sie das doch gleich!“ Gelacht haben wir und ich hab mich keineswegs geschämt. Ich mag mich, heute noch mehr als früher und scheue mich sicher nicht, mich zu zeigen. Aber ich verschenk mich nicht und billig bin ich nun mal auch nicht. Mich kann man nicht mit „feig“ oder „schwache Persönlichkeit“ rumbekommen, nur weil das an meinem Ego kratzen könnte. Wer es nicht begriffen hat; ich hab kein Ego, ich BIN mein Ego und das macht immer nur das, was es wirklich will und niemals das, was andere wollen.

Mich hat jemand gefragt, wie eine solche Freundschaft endet oder weitergeht, in der plötzlich solche Anliegen aufkommen – können wir nicht gelegentlich Spaß miteinander haben, wär so praktisch für mich! Ganz ehrlich, ich musste zugeben, dass ich mir da noch nicht mal Gedanken drüber mache. Menschen, die so ticken, interessieren mich Null. Also kann es mir auch völlig egal sein, ob und wie diese Freundschaft weiter geht.

Ich habe eines gelernt; um Hilfe zu bitten. Was ich NIE lernen werde, ist, zu betteln. Dafür hab ich noch immer zu viel Stolz und ich bekomme es immer noch hin, nicht in solch eine Situation zu kommen, es tun zu müssen. Und jetzt werd ich machen, was ich immer mach; ich mach es mir selbst! 😉

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