27. Juni … Termine, die man nicht mag…

Heute haben wir wieder einen Termin beim Psychologen. Manchmal ertrag ich sein Gesicht nicht, wenn er lächelt, während ich ihm erzähle, dass mein Sohn bei einem seiner Wutanfälle wieder meine Wohnung zertrümmert hat. Ich kann ihm erzählen, was ich will, er schließt jedes Gespräch mit den Worten „Ist doch toll, dass es so gut läuft!“.

Fakt ist, dass ich meinen Sohn innerhalb von maximal 48 Stunden in Fremdbetreuung unterbringen lassen kann. Heißt, ich kann ihn irgendwo abgeben und er wird früher oder später im Heim landen. DAS funktioniert problemlos. Wir haben aber in all den Jahren kein einziges Therapie – Angebot bekommen, keine Gespräche bei einem Psychologen, keine Unterstützung um den Wahnsinn, der uns immer umgibt, auch nur ansatzweise verstehen zu können. Inzwischen hab ich mir ein dickes Fell wachsen lassen, um die Blicke und Kommentare anderer Menschen nicht mehr an mein Herz zu lassen. Damit ich mich nicht wieder und wieder rechtfertige für mein eigenes Kind.

Was ich auch nicht besonders mag ist die Tatsache, dass mein Sohn seit seiner Diagnose ein Medikament bekommt; seine einzige Therapie. Dafür müssen wir jedes halbe zur Blutabnahme, um zu kontrollieren, wie sein Blutkreislauf mit dem Gift klar kommt. Jedes mal eine riesen Tortur, zusehen zu müssen, wie man meinem Kind mit Gewalt Blut abnimmt, weil er die Nadel so sehr hasst und Angst hat. Allein aus diesem Grund hätte ich gern das Medikament wieder abgesetzt, habe aber inzwischen die Erfahrung gemacht, dass selbst minimales Reduzieren davon zu extremen Aussetzern bei meinem Kind führt. Er wird zu einer regelrechten Bestie, geht sogar auf mich los, kennt weder Grenze noch Schmerz in diesem Zustand. Ein Teufelszeug und ich bin mir nicht sicher, wie wir davon jemals wieder loskommen sollen. Vorgewarnt hat mich niemand, es hieß nur, dass er mit dem Medikament wunderbar in der Gesellschaft klar kommen wird. Wie dumm ich damals war! Ich möchte gar nicht, dass mein Kind in der Gesellschaft klar kommt. Nicht in dieser Gesellschaft! Ich will nicht, dass er lernt, zu funktionieren, zu gehorchen, anstandslos alles hinzunehmen, was man ihm vorsagt oder vorgibt. Ich habe mir immer gewünscht, dass meine Kinder eine eigene Meinung haben und vertreten; nicht nur den Mund aufmachen, sondern auch mit ihrem Herzen hinter den Dingen stehen, für die sie sich einsetzen. Dass sie verstehen, wie einmalig jeder Mensch ist. Und jetzt? Hat man meinen zweiten Sohn genau dafür gebrandkmarkt. Er fliegt gerade aus dem Hort mit der Begründung, dass er zu wenig am Sozialleben mit den anderen teilnimmt, sich zu viel allein beschäftigt. Gleichzeitig behauptet man, er mache zu viel Arbeit. Ja was denn nun? Er beschäftigt sich alleine und braucht somit auch niemanden – wo entsteht da für irgend jemand Arbeit? Das Ende vom Lied jedenfalls ist nun, dass mein Sohn nach einem Fragebogen – auszufüllen von Schule und Hort – die Diagnose ADHS bekommen hat. OHNE weitere Tests, ohne irgendein Gespräch, nichts. Ich musste lediglich auch diesen Fragebogen ausfüllen; dass meine Antworten erheblich von denen der Schule und vom Hort abweichen, interessierte keinen. Es gab lediglich einen Anruf, dass mein Sohn jetzt diese Diagnose hat, ich solle zum Gespräch vorbei kommen um die Medikation zu besprechen. Ich habe dies verweigert, nach einem aufklärenden Gespräch verlangt, WIE man denn bitte jetzt festgestellt haben will, dass mein Sohn ADHS hat, woran macht man das fest. Und was ist das überhaupt? Einen Termin, um diese Fragen zu klären, bekam ich nicht, da ich eine Medikation erst mal ablehne.

OK, ich habe euer System begriffen; mein Sohn darf keine eigene Meinung haben, er wäre sonst in absehbarer Zeit weiter, als die Angestellten in seinem Bildungssystem. Er darf auch nicht allein sein, da läuft er Gefahr, nicht im System zu funktionieren. Um das zu gewährleisten möchte man ihn jetzt gern ruhigstellen; nicht mit mir! Ich hab leider schon ein Kind an die Pharmaindustrie geopfert, mein zweites bekommen sie nicht! Ich werde meinen Kindern weiterhin sagen; geh da raus und sei du selbst!

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3 Kommentare zu „27. Juni … Termine, die man nicht mag…

  1. Wenn du unsicher bist, was das Thema ADHS angeht, wende dich doch an den ADHS-Verband Deutschland. Im Netz kursieren viele, zum Teil an den Haaren herbeigezogene Sachen über das Thema.
    Was sagt den der Kinderarzt dazu?

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    1. Danke für diesen Rat, werde ich beherzigen und mich mal an diesen Verband wenden. Der Kinderarzt ist da ziemlich meiner Meinung; mein kleiner Sohn leidet unter dem großen Bruder und seinem Verhalten. Kopiert vieles von ihm, wird dadurch auch „Verhaltensauffällig“. Was ich meinem kleinen Sohn nicht absprechen kann ist die Tatsache, dass er nicht auf dem Stuhl „kleben bleibt“, wie es die Lehrer gern hätten aber deswegen ADHS? Und wird das wirklich so „easy“ abgefertigt mit ein paar Kreuzchen setzen, Diagnose steht? Diese Fragen werde ich mal an den Verband weitergeben, vielen Dank für die Anregung!

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      1. So einfach ist es nicht 😱 … Bin entsetzt. Habe drei mit der Zuordnung ADHS und da hat es ein halbes Jahr pro Kind gedauert, bis überhaupt die Diagnose kam.
        Manchmal machen es sich die sogenannten „Fachleute“ echt einfach.
        Genau der Irrglaube, das alle mit dieser Diagnose Medikamente nehmen müssen! Die sollten nur gegeben werden, wenn die Symptome so stark sind, das das soziale Leben eingeschränkt ist.
        Drück dir die Daumen 👍

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