15. Juni … und täglich grüßt der kleine Wahnsinn…

Wieder mal ein Tag, der katastrophal anfing. Das ist immer der Moment, wenn sich mein Großer (atypischer Autist) morgens zum ersten mal meldet und man anhand dieser paar Worte (meistens geschrien) einordnen kann, ob es ein guter Tag mit ihm wird oder nicht. Gut im Sinne von „wir kommen miteinander zurecht“, schlecht im Sinne von „es wird hart und ziemlich viel Stress zwischen uns geben“. Manchmal möchte ich so klein sein, dass ich mich einfach unsichtbar in seine eigene Welt setzen kann, um zu wissen, wie sie ist. Was geschieht da in seiner Welt, wenn er plötzlich brüllt, um sich tritt und anfängt, Dinge zu zerstören? Was löst die Wut aus, die genügt, um mit der bloßen Hand ein Fenster einzuschlagen? Und an dieser Stelle danke ich – wie so oft – seinem Schutzengel, der immer bei ihm ist und dafür sorgt, dass ihm selbst dann – wenn er mit seiner Faust im zerstörten Fensterglas steckt – nichts schlimmes passiert!

Ich hab mir vieles vorgestellt, als ich meinen ersten Sohn erwartet habe. Nachts Babygeschrei, bis die Flasche fertig ist. Tagsüber Gequengel und Geschrei, weil ihm langweilig ist, zu warm, zu kalt, zu bunt… Aber mein Großer war immer still. Alles, was er einforderte, war, dass er mich sehen konnte. Ansonsten fing er an zu schreien und hörte sofort wieder auf, wenn ich in seinem Blickfeld auftauchte. Heute brüllt er wegen jeder Kleinigkeit; schneide ich sein Brot zum Frühstück längs durch und nicht quer – so wie in seiner unausgesprochenen Vorstellung – dann wirft er es durch den Raum und brüllt. Hab ich das falsche Eis gekauft, wird gegen die Tiefkühle getreten, leg ich ihm das falsche T-Shirt hin, wird es zerrissen. Manchmal werde ich gefragt, wie ich meinen Sohn empfinde und meine Antwort ist meistens: „Als würde ich Minesweeper spielen. Man muss durch ein Minenfeld und weiß einfach nicht, wo sie liegen. Auf eine drauf latscht man aber irgendwie immer…“

Ich liebe ihn , meinen Sohn, mein kleines Minenfeld. Auch wenn er nachts scheinbar nur wieder willkürlich seine Minen neu auslegt damit ich am nächsten Tag wieder meine Freude damit hab. Auch wenn er brüllt und die Wut aus seinen schönen, großen, blauen Augen mich regelrecht anspringt. Auch wenn er manchmal sagt, wie dumm und blöd er mich findet. Ich liebe ihn und werde es immer tun.

Er hat mal zu mir gesagt – und da war er wirklich noch klein, etwa vier Jahre; „Mama, ich weiß schon, warum ich mir genau deinen Bauch ausgesucht hab. Weil ich wusste, dass du die beste Mama auf der ganzen Welt bist!“ Ja mein Großer, du wusstest es; dass ich bei dir bleiben werde, egal wie schwer und hart es wird. Weil ich zu dir stehen werde, egal wie weit du mich von dir fort schubst. Weil ich an dir wachsen werde, wo andere längst gescheitert wären…

IMG_0550

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s