7. Juni … andere Zeiten…

Die Zeiten ändern sich, aber wird dabei alles besser? Es gibt ja Menschen, die behaupten, früher war alles besser. Ich denk an meine eigene Kindheit zurück; sie war schön, weil meine Mutter wie ein Schutzschild alles von uns Kindern ferngehalten hat, was uns Kummer hätte bereiten können. Für zehn Pfennige konnte man sich ein Wassereis kaufen und wir kannten sogar einen Eismann, bei dem man für eine Mark noch vier Kugeln Eis bekam – man musste nur lange genug dafür anstehen. Im Sommer sind wir Kinder oft draußen geblieben, bis es dunkel wurde. Und obwohl keiner uns über Handy fragen konnte, wo wir grad sind, war unsere Mutter immer ganz sicher; spätestens, wenn wir Hunger hatten, würden wir daheim sein.

In meiner Jugend bin ich oft am Wochenende in die Disco getrampt. Es stand nicht jeden Tag eine neue Meldung über Gewalt in der Zeitung oder in den Medien. Ich weiß nicht, ob damals weniger passierte – ich glaube es aber – oder ob es einfach nicht umgehend überall hin verbreitet wurde. Diese Angst existierte damals einfach noch nicht in dem Ausmaß wie heute, nachts alleine irgendwo unterwegs zu sein. Klar machte meine Mutter sich manchmal Sorgen und war froh, wenn ich endlich daheim war. Aber sie ließ mich ziehen, was heute wohl nicht mehr der Fall wäre.

Was war denn nun früher anders, besser? Waren wir leichtsinniger, furchtloser, freier? Oder sind die Zeiten heute wirklich schlimmer als sonst? Politisch ist es ja zur Zeit eher ein Reizthema; Gutmensch oder doch jemand, dem es langsam reicht und der dann sehr schnell als Nazi abgestempelt wird. Und wo sind sie, die Gutmenschen, ich kenn irgendwie keinen. Ich kenn aber auch keinen Nazi.

Gestern krachte es ja gewaltig bei uns im Ort in der Asylunterkunft. Es wurde randaliert und gestritten bis in die Nacht. Auslöser war selbstbestimmtes Leben. Die Menschen, die dort untergebracht sind, wollen sich selbst versorgen und nicht alles, was sie zum Leben brauchen, entscheidungsfrei vorgesetzt bekommen. Nachvollziehbar, wenn man mal von sich selbst aus geht, aber auch machbar, wenn man über die entstehenden Kosten nachdenkt? Meine Kinder müssen ja auch essen, was auf den Tisch kommt, mal hat der eine Pech, mal der andere. Jedem das zu kochen, was er gern haben will, fang ich sicher nicht an. Zu aufwendig, zu teuer und zu verwöhnt wäre das. Aber kann man diese Gedanken auf hunderte andere Menschen übertragen? Sollte man überhaupt darüber nachdenken, was da jetzt richtig und was falsch ist? Oder gar eine Meinung haben und die dann auch vertreten? Schwierig, schwierig. Und auch die Frage, ob und was früher besser war, kann ich so eigentlich nicht beantworten. Wir haben uns entwickelt, als Menschen, als Land, als Nation. Mit allem werden wir nie einverstanden sein und jedem recht machen kann man es auch nicht. Was ich mir aber manchmal wünsche, wäre weniger Info. So viel schlechtes passiert jeden Tag auf der ganzen Welt und es schadet sicher nicht, das ein oder andere zu erfahren. Mal zu ergründen, wie schlecht es uns selbst denn wirklich geht. Aber Gewaltverbrechen bis ins kleinste Detail, oft noch mit Bildern dazu, beschrieben, dass muss oft einfach nicht sein. Aber es gibt bestimmt Menschen, die damit gar kein Problem haben…

Danke für dieses Bild an einen lieben Freund

CGLC0943

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