31. Mai … was anderen leid tut…

Ich mag es ja, Menschen kennen zu lernen. Durch meine Kinder geschieht das ja eher im Internet als im freien Leben, aber auch da hab ich inzwischen wirklich liebe Menschen kennen gelernt. Wie jeden Morgen bin ich heute auch wieder aufgestanden, bevor meine Kinder wach sind. Eine Tasse Kaffee, online die Zeitung lesen und dann hier in meinem Blog einen Beitrag erstellen, so hat es sich in letzter Zeit eingebürgert.

Ich war heute noch nicht mal richtig online, da hat mich jemand in einer Community angeschrieben. Das „übliche“ Guten Morgen, auch schon wach, wie geht es Dir… Auf die Frage, warum ich so früh wach sei, erklärte ich ihm folgendes: mein Sohn hat durch seine Behinderung Schlafstörungen, dadurch steht er morgens immer ziemlich früh auf. Und dann kam als Antwort „Oje, das tut mir leid, dass er behindert ist.“

Irgendwie irritiert mich das jedes mal. Ich meine, klar, jeder wünscht sich ein gesundes, „normales“ Kind. Aber was ist denn normal? Wer bestimmt das und gilt das dann für jeden? Ok, mit meinem Sohn fällt man auf. Hab ich gestern wieder gemerkt, als ich mir ein Auto anschauen wollte. Da ist mein Großer dann wieder so aufgeregt, dass die ganze Wohnsiedlung, in der man sich aufhält, was davon hat. Er kann ja wesentlich mehr reden als jede Quasselstrippe und es interessiert ihn Null, ob das jemand hören will. Er plappert munter weiter und das mit einem ewigen Lächeln auf dem Gesicht. Und wenn er sich freut, dann quietscht und schreit er, so dass einfach jeder was davon hat. Was soll einem da jetzt leid tun? Die Mama, die manchmal gern ein ruhigeres Kind hätte? Eines, mit dem man einen Laden betritt und nach drei Sekunden nicht jeder, der sich darin befindet, weiß, dass wir jetzt da sind? Oder der Bruder, der mit größter Freude einfach mal eben mitmacht und den Großen bei seinem Treiben unterstützt? Oder gar er, der so gar nichts schlechtes mitbekommt in seiner eigenen Welt? Ok, manchmal tun mir die Nachbarn leid. An einem wirklich schlechten Tag tue ich mir für einen winzigen Moment manchmal auch selber leid. Aber sonst? Er ist mein Sohn und mir tut da gar nichts leid. Manchmal beneide ich ihn darum, dass er lachend und tobend die Welt mit seinen Augen sieht, bunt, laut, schnell, lustig. Da gibt es keinen Kummer, keine Sorge, keine Angst. Solche Dinge versteht er nicht, wird er nie verstehen. Sein Geist wird immer ein kleiner Junge sein, der durch sein kleines Kaleidoskop schaut, damit die Welt schön bunt bleibt.

Vor ein paar Tagen erinnerte mich jemand daran, was man gerne über Behinderte sagt; sie gehören nicht an den Rand unserer Gesellschaft, sondern in die Mitte! Richtig, behinderte Menschen gehören nicht ausgegrenzt. Aber viel mehr gehören sie da hin, wo sie geliebt werden. So, wie sie nun mal sind.

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