30. Mai … warum aus mir nie eine Prinzessin wird…

Gleich mal vorweg; ich möchte ganz sicher keine Prinzessin sein. Dieser Wunsch kam nicht mal in mir auf, als ich noch ein kleines Mädchen war. Schon damals saß ich in meinen Träumen auf einem Pferd und hatte ein Schwert in der Hand oder trug es vorsorglich mit mir. Lang bevor ich Reitstunden nehmen durfte, war mir ein Pferd vertraut, seine Bewegung unter mir, wenn ich drauf saß. Der sanfte aber bestimmte Duft, das leise Klirren von Zaumzeug, das gelegentliche Knarren von Leder. In meinen Träumen hab ich die Weichheit der Nüstern erahnt und das Kitzeln auf den Händen, durch die feinen, langen Haare am Maul des Pferdes. Ich konnte sie schnauben hören, lang bevor ich es im wirklichen Leben gehört habe. Und als ich endlich in Wirklichkeit auf dem Rücken eines Pferdes saß, wusste ich so sehr wie nie zuvor, dass ich genau da hingehöre. Dass es Leben gab, da hab ich die meiste Zeit dort verbracht. Immer wieder hatte ich ein großes, schwarzes Schlachtross in meinen Träumen gesehen, welches vor langer Zeit mal zu mir gehört hatte.

Heute, mehr als 30 Jahre nach den Anfängen dieser Träume, ist es leiser geworden. Träume besuchen mich nur noch sehr selten. Sie hören scheinbar auf, wenn man nicht mehr nachdenkt. Und die laute, immer wache Kriegerin in mir ist ruhiger geworden. Sie ist da, wachsam, beschützend, immer eine Hand am Schwertknauf. Aber sie hat schon lange nicht mehr gekämpft. Irgendwann hat sie mir geglaubt, dass das Leben kein Kampf ist und Wut ein zweischneidiges Schwert. Sie ist friedlicher geworden und vertraut mir, wenn ich ihr sage; warte, wir lösen das anders. Es ist gut, zu wissen, dass sie da ist, immer noch da ist, tief in mir. Kampfbereit, aber ohne mein Signal wird sie nicht loslegen. Manchmal funkeln mich ihre Augen an und ich weiß, dass sie in dem Moment alles und jeden niedermetzeln würde, der ihr in den Weg kommt. Kämpfen bis zum bitteren Ende, so war sie immer und wird sie immer sein. Dieses Feuer in ihren Augen wird nie vergehen und ihr Schwert wird sie nie ganz beiseite legen. Aus einem Krieger wird halt nie eine Prinzessin. Nicht das Krönchen macht die Prinzessin, sondern das Protokoll und die Manier. Und auch wenn sich meine Kriegerin zu benehmen weiß, so wird sie eines sicher nie tun; sich beugen und wenn es nur ein Protokoll ist…

 

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