11. Mai

Morgens aufstehen, einen lecker Kaffee trinken und die neuesten Nachrichten online lesen, bevor die Kinder aufstehen. So läuft das bei uns meistens ab. Was eigentlich ein entspannter Start in den Tag sein sollte, ist schleichend zu dem täglichen Moment geworden, in dem ich mich frage; was ist bloß aus dieser Welt geworden?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht jemand vergewaltigt, ermordet, abgestochen, überfallen oder gefoltert wird. Regelmäßig fehlt irgendwo ein Kind. Früher hielt man sich bei solchen Schlagzeilen schockiert die Hand vor den Mund. Inzwischen hat man es so oft und wiederholt gelesen, dass man es im nächsten Moment wieder vergessen hat.

Wer nicht vergisst, sind die Menschen, die direkt damit verbunden sind. Die Mutter von dem vermissten Kind, der Partner von dem ermordeten, die Frau von dem Gefolterten. Für sie ist es nicht eine Schlagzeile, sondern grausame Realität.

Manchmal macht es mir ein wenig Angst, wie „normal“ diese grauenhaften Geschehnisse scheinbar geworden sind und mit welchem Achselzucken man es zur Kenntnis nimmt. Ich selbst bin dazu übergegangen, oben rechts das Kreuzchen anzuklicken, wenn mir die Nachrichten wieder mehr geboten haben, als mir lieb ist und schwupp – aus den Augen aus dem Sinn. Weg mit den Schlagzeilen. Als Nicht – Betroffener ist das ja zum Glück ganz einfach.

Vielleicht halten wir einfach mal gelegentlich inne, wenn wir mit dem Kaffee in der Hand die Zeitung überfliegen und machen uns bewusst, dass dahinter reale Menschen mit Angehörigen stecken, die das alles nicht mit einem schnellen Klick beiseite löschen können. Und wie viele Menschen haben wir eigentlich in unserem Umfeld, die ein Kreuz tragen, von dem wir nichts wissen? Was wurde eigentlich aus meiner Menschlichkeit?

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