10. Mai Vatertag … oder auch nicht…

Meinen Kindern geht es da ja ähnlich wie mir; sie haben keinen Vater, der sich um sie kümmert. Mein Großer hat mal zu mir gesagt:

„Mama, ich brauch gar keinen Papa. Du spielst auch nicht schlecht Fußball.“

Für einen kurzen Moment lachte mein Herz bei dem Satz aber oft denke ich mir, dass er schon gern einen Vater hätte. Schaden würde es ihm sicher nicht, diese „Männergespräche“ und das „von Mann zu Mann“.

Mein Vater hat ja immerhin bei uns gelebt, sich aber trotzdem nicht um uns Kinder gekümmert. Um keines, auch nicht um meine Geschwister. Wobei ich sagen muss, ich hab eine fantastische Mutter, die da sehr viel ausgeglichen hat. Die uns nie das Gefühl offen ließ, dass uns durch das fehlende Interesse unseres Vaters etwas fehlen würde.

Seit 17 Jahren lebt mein Vater nicht mehr. Das schlimmste Gefühl damals war eigentlich die Feststellung, dass sich dadurch für mich nichts änderte. Ein Mensch, der keinen Platz in meinem Leben beansprucht hat, hinterlässt auch keine Lücke. Das ist hart, zumindest war es das für mich. Doch auch kein „das war dein Vater!“ und „du hast nur einen Vater“ half mir da weiter. Ein leises „Schade“ kam bei seinem Tod auf, sehr viel mehr leider nicht.

Mein Vater starb an Krebs, der sich weitflächig bei ihm ausgebreitet hatte. Von der Diagnose bis zu seinem Tod ging es zwar sehr schnell aber er halbierte dabei noch sein Gewicht und als ich ihn am Tag seines Todes das letzte mal sah, war ich schockiert. Ich hielt seine Hand und hatte das Gefühl, diese müsste mindestens hundert Jahre alt sein. Dabei wurde mein Vater keine sechzig Jahre alt. Ich hoffe, mir bleibt das erspart. Ich möchte nicht unter Morphium als Schatten meiner selbst sterben. Zum Glück mach ich mir darüber aber (noch) keine Gedanken…

Eines noch mit auf den Weg; geht nie im Streit auseinander. Als meine Eltern sich scheiden ließen, ging mein Vater und unsere Wege trennten sich im Streit. Erst über sechs Jahre später, auf seinem Sterbebett, fand ich wieder einen Weg zu ihm. Auch wenn ich versuchte, ihm zu erklären, wie es dazu kommen konnte und wie leid es mir irgendwie tat; ich hatte keine Ahnung, ob er überhaupt etwas verstand von dem, was ich sagte. Ob er trotz Morphium überhaupt wusste, wer ich war. 17 Jahre ist das her und ich habe meinen Frieden damit gefunden. Aber könnte ich noch ein einziges mal mit ihm reden, ich würde es sofort tun. Also redet, so lange noch Zeit dazu ist. Es kann einem noch so egal sein; wenn die letzte Chance verstrichen ist, denkt man schnell anders darüber nach…

Schönen Vatertag an die Väter da draußen!

 

P1000123

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