18. November … Sehnsucht nach Zuhaus und dir…

„Sehnsucht ist Heimweh – nicht nach einem bestimmten Ort, sondern nach einem ganz besonderen Mensch“ Birgit Ramlow

Ich finde, so einen Spruch zugeschickt zu bekommen, ehrt schon ein wenig. Ganz besonders hat mich überrascht, von wem ich ihn erhalten habe. Meinen tiefen Dank dafür!

Seit ich denken kann, habe ich Sehnsucht gehabt, nach Hause zu kommen. Nicht in mein Elternhaus, denn da verbrachte ich ja meine Kindheit und einen Teil meiner Jugend. Aber von dort zog es mich immer fort. Mein Herz sagte mir schon als Kind, dass ich dort nicht Zuhause bin. Eine sehr schwere Zeit und besonders als Kind ziemlich ausweglos. Was macht man mit dem Gefühl – der tiefen Überzeugung – nicht in sein Elternhaus zu gehören? Ich habe geschwiegen und das nahm mir irgendwann die Luft zum Atmen.

Auch als ich auszog, mir eine eigene Wohnung suchte und sie einrichtete, blieb ein Gefühl aus; das Gefühl, Zuhause zu sein. Jahre mussten noch vergehen, bis ich endlich in meinem Herz spüren konnte; hier, hier gehöre ich hin, hier bin ich Zuhaus!

Fast 37 Jahre hat das gedauert. Und nein, auch meine Kinder konnten das nicht ändern. Sie machten mich vielleicht sesshaft, gaben mir die wunderbare Fähigkeit zurück, zu lieben; aufrichtig und kompromisslos. Aber nach Hause kam ich erst, als ich anfing, mich selbst zu lieben! Diese Sehnsucht konnte ich damit endlich stillen.

Die Sehnsucht nach Menschen stillt man ähnlich; man gibt ihnen ein Zuhause und wann immer man sie vermisst, besucht man sie dort. Ein ganz besonderer Mensch für mich lebt schon seit Jahren in meinem Herzen. Wenn es auf dieser Welt Menschen gibt, die sich zwischen zwei Menschen stellen, um zu verhindern, dass sie sich begegnen, dann muss man einen Weg finden, sich trotzdem nahe zu sein. Ich hab dir ein Zuhause gegeben, mein liebster Freund; in meinem Herzen. Dort gibt es keine Sehnsucht, dort gibt es nur Liebe!

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17. November … sich selbst zu seinen besten Freunden zählen…

Zur Zeit dreh ich mich mal wieder wie ein kleiner Kreisel um mich selbst und versuche, zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein. Von der Arbeit zum Termin und dann zu den Kindern oder an freien Tagen von Termin zu Termin bis es Zeit ist für die Kinder. Manchmal weiß man nicht, wo man zuerst anfangen soll. Und dann ist endlich Wochenende und man kommt wieder zu nichts, weil man daheim die Wohnung in Ordnung bringen muss.

Ich versuche ja immer, nur eine Baustelle aufzumachen und solange die nicht wieder zu ist, wird keine neue aufgemacht. Was irgendwann dazu führt, dass immer eine Baustelle von den Kindern ansteht und meine eigenen immer warten müssen. Also hab ich jetzt drei Baustellen gleichzeitig aufgemacht und darf jetzt rennen. 😉

Auch wenn für mich meine Kinder immer an erster Stelle stehen; mich selbst vergessen darf ich nicht. Auch mir muss es gut gehen, auch meins muss erledigt werden. Wenn ihr euch also das nächste mal wieder um Andere kümmert; vergesst euch selbst nicht!

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16. November … darf ich vorstellen; ich bin du!

„Der Mensch besieht sein Spiegelbild nicht im fließenden Wasser, sondern im stillen Wasser. Nur Stille kann alle Stille stillen.“ Dschuang Dsi

Wir können uns die Mühe machen, unser Spiegelbild im sprudelnden Wasser zu erkennen; schaffen werden wir es nie! Wer sich also selbst sehen – und vor allem erkennen möchte – der wird sich stilles Wasser suchen müssen. Wenn wir selbst ganz leise werden; uns nicht mehr austauschen müssen zwecks Information oder Bestätigung; nicht mehr nach dem Weg fragen müssen weil wir unserem Herzen vertrauen, dass es ihn kennt; nicht mehr fürchten, dass wir in der Stille der Einsamkeit begegnen, sondern mit Freude darauf warten, uns selbst zu begegnen! Wenn wir diesen Schritt wagen, leise werden und in die Stille lauschen, dann werden wir irgendwann uns selbst hören. Unser Herz, unsere Seele, unseren Puls.

Vielleicht sind das letztendlich unsere zwei Möglichkeiten in diesem Leben; wir folgen anderen, damit wir nicht selbst entscheiden müssen, wohin die Reise geht und außerdem sind wir dann nicht so allein. Oder wir bleiben ganz bei uns selbst, lernen unsere eigene Sprache verstehen und folgen – wenn überhaupt – allein unserem Herzen.

Und ja, ich verstehe heute mehr denn je Menschen, die nicht allein sein wollen oder können; in der Stille müssen sie immer fürchten, sich selbst zu begegnen. Manche sind dafür wohl noch nicht bereit. Ich war es übrigens auch nicht…

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15. November … durch die Hölle geht es da lang…

Mich berührt es immer ein wenig, wenn jemand einen weinenden Smiley unter meinen Blog setzt oder mir mitteilt, wie leid es ihm tut, was da passiert ist. Es tut gut, zu wissen, dass man auf dieser Welt nicht allen egal ist. Dass es Menschen gibt, die nicht nur mit einem lachen, sondern auch und besonders dann da sind, wenn man weint.

Ich möchte nicht Therapeut werden, weil ich die Welt retten will und zu den Menschen gehöre, die jedem helfen wollen. Auch habe ich nicht vor, der Vorzeige – Therapeut zu werden, der stur nach Vorgabe die passende Schablone für einen Menschen aussucht, um ihn reinzupressen und einen Namen für eine Diagnose zu haben. Alles, was ich mir wünsche, ist, zu heilen! Menschen von sich selbst zu heilen, ihr inneres Kind zu heilen. Nicht, weil ich es kann oder Geld dafür bekomme, sondern weil ich mit all meiner Überzeugung sagen kann; ich verstehe!

Ich selbst war als Kind das erste mal beim Psychologen. Und als feststand, warum ich meiner Mutter das Leben schwer machte, wurde nichts besser. Ich fühlte mich nicht geliebt, auch nicht von meiner Mutter, geschweige denn von meinem Vater. Meiner Mutter gefiel dieses Ergebnis nicht besonders und meine Therapie wurde schnell abgesetzt. Was mir meine Kindheit und Jugend hätte retten können, wäre der Rat gewesen; lerne die Liebe zu erkennen! Denn heute weiß ich, meine Mutter hat mich immer geliebt, auch wenn sie mich nie in den Arm genommen hat. Sie hat sich über zwanzig Jahre an ein Haus gebunden, in dem sie uns alle großgezogen hat. Hat verzichtet, hat sich gekümmert, hat uns nahezu alles ermöglicht. Hätte mir damals jemand gesagt, dass das durchaus auch eine Form von Liebe ist, wäre es mir wahrscheinlich besser gegangen.

Letztendlich habe ich mir selbst geholfen, habe mich selbst befreit von alten Fesseln und schmerzenden Wunden. Und habe gelernt, dass man das alte Ich sterben lassen muss, um zu einem neuen Ich zu gelangen. Ich kann zwar niemanden an die Hand nehmen und ihm sagen: „Komm, ich kenn den Weg, ich zeig ihn dir!“, denn den Weg aus seiner eigenen kleinen Hölle muss jeder selber finden und gehen. Aber ich kann manch einem sagen: „Ich weiß, wie schwer es ist, wie mühsam, wie weit; aber es lohnt sich, komm da raus!“

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14. November … manchmal muss man sich vor sich selbst retten…

Habt ihr euch schon mal dabei erwischt, als ihr euch selbst gefragt habt, was ihr da macht? Und erschrocken stellt ihr fest, dass ihr grade dabei seid, euch selbst zu zerstören, euch schlechtes zu tun und zu schaden? Klar, der einfachste Weg dahin sind Drogen und Alkohol oder schlicht die Entscheidung, bei einem Menschen zu bleiben, der einen physisch oder psychisch – schlimmstenfalls beides – kaputt macht. Aber was, wenn wir dafür gar niemanden brauchen und das ganz alleine hinbekommen? Wir töten unser Herz, indem wir unerwiderte Liebe nähren; wir töten unseren Verstand, indem wir andere daran zweifeln lassen; wir töten unsere Seele, indem wir sie ignorieren und zulassen, dass andere darauf rumtrampeln. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich selbst zu verletzen oder gar zu zerstören.

Ich selbst habe jahrelang intensiv, sowohl meinen Körper als auch meinen Geist zerstört. Wenn mich diese Welt taub gemacht hat und unfähig, noch irgendwas zu fühlen, dann hab ich mit einem Messer so lange meine Arme aufgeschnitten, bis der Schmerz endlich kam. Das Blut war mir dabei völlig egal, ich wollte nur diesen süßen Schmerz fühlen, der mich wieder „lebendig“ machte. Und manchmal hab ich bis an die Grenzen meiner selbst gehungert. Nicht, weil ich mich mit meinem damaligen Untergewicht dick gefühlt habe, sondern weil ich mit dem Hunger die Leere in mir besser spüren konnte.

Womit man sich sehr gut selbst foltern kann ist ja die Liebe. Man suche sich einen Mann, stelle fest, dass er nicht interessiert ist und dann gebe man ihm all seine Liebe, bis es weh tut. Wozu? Weil es einem inzwischen egal ist, wem man all diese Gefühle gibt, die in einem sind und die drohen, einen platzen zu lassen weil es zu viele geworden sind. Man muss sie nur los werden, bevor sie überquillen und da man sich selbst noch nicht liebt, muss man sie jemand anderem geben. Und das alles nur, weil man das Gefühl hat, selbst noch nie geliebt worden zu sein. Zumindest nicht so, dass man es fühlen und verstehen konnte.

Mein Weg da raus war Selbstachtung; mich selbst zu achten und zu ehren. Mit mir selber respektvoller umzugehen. Das Verstehen, dass uns allen hier auf Erden das gleiche zusteht, niemand dafür oder darum kämpfen muss; man muss nur bereit sein, es zu bekommen und zu geben. Und vor allem; wir müssen es uns selbst erlauben. Uns eingestehen, dass auch wir es verdient haben, geliebt zu werden. Am besten fangen wir selbst damit an…

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13. November … wie schlafen manche eigentlich mit ihrem Gewissen?

Wisst ihr, was mich müde macht? Immer wieder herauszufinden, dass Menschen einen belügen. Ich hätte langsam Lust, mir die Mühe zu machen und die Menschen durchzugehen, mit denen ich regelmäßig zu tun habe. Ist da einer dabei, der mich noch nicht angelogen hat? Der immer ehrlich zu mir war? Manche Dinge möchte man irgendwie gar nicht wissen. Man findet es ohnehin nach und nach raus und hakt dadurch den ein oder anderen ab. Menschen, die einem wichtig waren, denen man immer zu helfen versuchte, die einem nahe standen,… Traurig. Wirklich traurig, dass ein Wort heute nichts mehr wert ist. Dass man oft am Schweigen merkt, etwas stimmt nicht. Menschen, die einen Schritt zurück gehen, stumm werden, einem aus dem Weg gehen, bevor sie was sagen müssen – im schlimmsten Fall die Wahrheit. Oder die, die einem rotzfrech plappernd alles mögliche erzählen, bis man erfährt, wie falsch jedes einzelne Wort war.

Nun leb ich ja wirklich schon sehr zurück gezogen und trotzdem erwischt es auch mich immer wieder. Und obwohl ich mich ohnehin auf Menschen kaum noch einlasse, überrascht es mich trotzdem immer wieder, wie falsch und hinterlistig manche Menschen sind. Beeindruckend, womit manche da draußen nachts schlafen gehen können…

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12. November … Papa, wo endet der Regenbogen?

Hallo Papa,

heute vor 17 Jahren hab ich an deinem Bett gesessen und das erste und letzte mal in meinem Leben deine Hand gehalten. Nie war ich dir näher, nie haben wir – oder besser gesagt ich, das Morphium hinderte dich daran – mehr gesprochen, nie hat mir ein Wiedersehen und zugleich ein Abschied so sehr weh getan als heute vor 17 Jahren. Fast sechs Jahre hatten wir uns nicht gesehen, uns angeschwiegen, ignoriert. Ich hatte dir noch mit auf den Weg gegeben, dass du wegen mir gern einfach nur elendig verrecken kannst. Als ich das sagte, war mir nicht klar, dass du mir genau den Gefallen tun würdest und ich dir dabei beinahe zusehen musste. Ich war so voller Wut und Hass und wollte dich nie wieder sehen. 16 Jahre war ich alt, als du mein Elternhaus verlassen hast und fast sechs Jahre hat es gedauert, bis wir uns wiedersahen. Gegangen warst du damals laut und aufrecht, furchterregend, mit vielen Drohungen und tobend vor Wut. Egal, wie sehr ich dich dafür gehasst und verabscheut habe; ich war nicht darauf gefasst, von dir nur wiederzusehen, was von dir übrig geblieben war. Noch heute hab ich dieses Bild vor Augen; deine eingefallenen Wangen, die tiefen Augenhöhlen, in denen deine trüb gewordenen Augen ruhten. Was hätte ich dafür gegeben, sicher sein zu können, dass du mich ein letztes mal hörst? Nur um dir mein Leben zu erklären und die Tatsache, warum es nicht für uns beide gereicht hat. Und jedes mal, wenn mir das bewusst wurde – dass das meine letzte Chance war, dir irgendetwas mitzuteilen; dass ich danach deine Augen nie wieder sehen und deine Hand nie wieder halten werde; dass ich nie wieder die Möglichkeit haben werde, dir zu danken für mein Leben und dich um Verzeihung zu bitten, dafür, dass ich es einfach nicht leben konnte – fing ich an zu weinen und brachte kein Wort mehr heraus.

Papa. wenn ich eines heute versteh; es gibt in diesem Leben hier auf dieser Welt nichts zu verstehen – dafür sind wir einfach nicht hier. Wir können nur unseren Weg gehen, im Vertrauen. Ein Stück hinter unseren Ahnen, ein paar Schritte vor unseren Nachkommen. Es spielt keine Rolle, ob wir einander geliebt haben; Tatsache ist, du warst und dadurch konnte ich entstehen. Und wenn mich diese Tatsache nicht mit Liebe füllt, dass du mir mein Leben erst geschenkt hast, dann wird mich nichts auf dieser Welt mit Liebe füllen können. In einem deiner Lieder hieß es „Wenn ich jetzt gehen müsste, in diesem Augenblick; dann hebt die Gläser, alle; denn es gibt kein zurück…“ Wir haben nie ein Glas auf dich gehoben, nicht damals und nicht heute; das hab ich immer ganz still und leise allein getan. Was wir alle getan haben, war, zu lernen, dich zu lieben – so wie du nun mal warst. Und zu lernen, dass es kein zurück mehr gibt; auch ich muss damit leben, dass du fort bist, für immer und ich dich eigentlich nie wirklich gekannt habe. Ich bin mir sicher, wir sehen uns hinter dem Regenbogen wieder und dann holen wir nach, was wir zu Lebzeiten versäumt haben.

Schlaf gut, Papa; wo auch immer du schläfst, seit man dein Grab einfach ausgehoben hat. Falls du nicht weißt, wohin zum Schlafen; in meinem Herzen wär noch Platz, dort kannst du schlafen, so viel du willst. Du fehlst!

Deine Tochter

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